Archive for 6. Juni 2019

Die Stille ist vollkommen, das Licht schwindet und Sterne funkeln. Wir sitzen auf der Hochebene von Karfi vor dem Auto, der Retsina ist kalt, Annelies hat ein Gläschen Limoncello in der Hand. Morgen steigen wir zum Gipfel. Etwas unterhalb sind die Mauerreste einer minoischen Stadt. Von dort sieht man beide Küsten: die südliche und die nördliche.
Wir verlassen die Lassithi-Ebene über ein schmales, aber asphaltiertes Strässchen nach Süden. Die Landschaft ist beeindruckend wild und einsam. Durch Katofigi undEmbaros wird es wiedereinmal eng. Winkelige Gässchen, von Mauern gesäumt und oft kaum über zwei Meter breit machen die Durchfahrt zum spannenden Erlebnis mit durchgeschwitzem Tshirt.
Kein Problem, schwimmen wir doch schon bald darauf im Meer beim Traumstrand von Dermatos.
In Gortis, in der Messaraebene hat man die Hauptstadt der römischen Provinz Kreta und Syrenaika in Nordafrika, ausgegraben. Römische Mauern sind hier vergleichsweise jung gegen jene der Minoer die über dreitausend Jahre alt sind. Daher stehen auch noch eine Basilika, ein Odeon und mehrere Tempel. Auch die Platane wird gezeigt, in deren Schatten der Zeus die Europa genommen hat. Es heißt, nicht unbedingt in beidseitigem Einverständnis. Jedenfalls entstand dort der kleine Minos, späterer König von Kreta. Der Herr Papa hat sich danach rasch vertschüßt, immer auf der Suche in neuen Verkleidungen nach neuen Mädchen. Bis heute eifern die Männer diesem Womenizer nach in mehr oder weniger gelungenen Verstellungen. Wilder Stier bleibt allerdings oft nur ein Wunschbild und so wie bei Zeus nicht über längere Zeit durchzuhalten.
Eine Besonderheit Kretas sind seine Hochebenen mitten im Bergland. Meist kreisrund, topfeben und ohne Abfluss. Es wären Bergseen, wenn es nicht Karst wäre durch den das Wasser durch Höhlen abfließt. Wir sind auf der Omalosebene und wäre hier nicht der Einstieg in die Samariaschlucht, es gäbe hierher wahrscheinlich nur Piste. So aber bringen zahlreiche Busse auf Topstrassen täglich hunderte von Touristen hierher, die durch die Schlucht dem Meer zu wandern. Die Nacht auf 1100m ist kühl und die Sterne scheinen zum greifen nahe. Man vergisst als Stadtmensch oft wie zahlreich es sie gibt.
Von hier wandern wir in die Agia Irini-Schlucht ein Stück von oben nach unten. Von Sougia am Meer gehen wir sie dann tags darauf bergauf, sodass wir sie zuletzt zweimal begangen haben.
Sougia ist ein Drehpunkt des Wandertourismus an der Südküste Kretas. Täglich sind hier hunderte Individual-und organisierte Touristen unterwegs. Manche Wegstrecke entlang der Küste wird verkürzt indem man das Linienboot nimmt das zwischen Paleochora und Chora Sfakion verkehrt. Hier begegnen wir noch dem Backpacker mit Zelt und Schlafsack, der so seine Batterien für ein hektisches Stadtleben auflädt. Frei(heits)zeit, die nicht konsumiert wird sondern gestaltet. Yoga am frühen Morgen am Kiesstrand vor dem Schwimmen – Anneliese ist hier nicht die einzige die es praktiziert. Und weil man davon auch hungrig wird mach ich inzwischen Frühstück.
8 Tage bleiben uns noch auf Kreta. Am 12. Juni gehen wir aufs Ferryboat nach Gytheon auf dem Peloponnes. Acht Tage in denen wir uns langsam auf Kissamos, dem Abfahrtshafen zubewegen. Es bleibt noch genug Zeit um weiter den Südwesten der Insel zu durchstreifen und hoffentlich viel Neues zu entdecken.

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