Archive for Juni 2019

Dolce far niente- oder süß nichts zu tun! Und genau das tun wir diese letzten Tage in Griechenland. Die Temperaturen sind ab dem frühen Vormittag schon unternehmungslähmend und so suchen wir ein Schattenplätzchen oder eines am Wasser und rühren uns erst wieder um einen sundowner zu nehmen. Keine Wanderung, kein Museum, nicht einmal ein Kloster.
Am 5. Juli haben wir die Fähre nach Venedig gebucht. Die geplante lange Heimreise über Bulgarien, Rumänien haben wir gestrichen-zu heiß, zu faul, zu verlockend die kühle Wohnung zu Hause. Und die nächsten Monate sollen die Strände dem Urlaubsvolk gehören.
Derzeit sind wir noch auf Lefkada, einer ionischen Insel und die kommenden Tage werden wir sie umrunden um dann in Igumenitsa unser Schiff zu besteigen. Anneliese wird dazu noch ein paar Fotos von hier und da beisteuern.
Es war nett dass du uns begleitet hast und so ein bisschen mitgefahren bist. Und vielleicht konnten wir den oder die andere dazu animieren selbst hierher zu kommen und unsere Eindrücke vom Land selbst zu überprüfen.
In diesem Sinne kalimerasas

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Am Mittwoch geht unser Schiff von Kissamos zur kleinen Insel Kithira und Kreta ist für uns Geschichte. Zeit um ein Resümee zu ziehen.
– Vor Wochen, am Beginn unserer Rundfahrt habe ich geschrieben wie schön die Freiheit und die Leichtigkeit der griechischen Lebensart ist. Das ist es auch was die Griechen so einzigartig können. No problem ist die häufigste Antwort wenn man fragt ob z.B. das Parken oder Übernachten hier am Strand möglich wäre. Dabei ist wildcampen offiziell in Griechenland verboten. Aber das heißt nichts hier. Die Menschen sind das Maß der Dinge und ob etwas geht oder nicht entscheidet kein Papier, in Athen ausgestellt. Das ist lässig und sympathisch. Gleichzeitig aber auch das große Problem des Landes. Was Gesetz ist muss täglich überprüft sein. Dabei kommt wieder oft das “no problem“ zum tragen. Gesetze die Mühe machen oder wenn etwas billiger wird ohne diese zu befolgen werden die Dinge anders geregelt. Das macht der Kleinbauer so und der Konzern . Dass das so ist weiß inzwischen ganz Europa. So läuft es aber nicht ganz so ohne “problems“. Hie und da wäre ein vernünftiges Maß an Regulierung nicht ganz schlecht. Da wäre der Umgang mit Müll. Die Trennung desselben hat sich noch nicht sehr rumgesprochen, obwohl es sie gibt. Auf einer Insel kostet der Abtransport zur Wiederverwertung auch Extrageld und wird wahrscheinlich total unrentabel. Daher wird auch vom Schrottauto das im Olivenhain steht bis zum Treibhaus mit hunderten Quadratmetern zerfetzter Plastikfolie nichts einer Verwertung zugeführt. Das Plastik endet dann irgendwo auf Büschen und Hecken und zuletzt im Meer, das Autowrack wird von der Natur irgendwann überwuchert. Ist schon bei uns so manches Bewusstsein unterentwickelt, fehlt es hier fast vollständig. Was noch weh tut ist der Umgang der Kreter und der übrigen Griechen mit Landschaft. Es wird gebaut, als hätte es keine Krise gegeben. Dabei stehen die unvollendeten hässlichen Rohbauten noch vielerorts herum. So wird das Bild des alten gewachsenen Ortskerns verschandelt. Da zieht der reiche Ausländer und die Hotelgesellschaft mit dem Bürgermeister am selben Strang. Der heurige Winter mit seinen Extremniederschlägen hat die Bausünden an den Tag gebracht, ganze Hänge sind dort wo gegraben wurde abgerutscht. Jedes Hotel braucht auch ein Mehr an Wasser genauso wie die Olivenplantagen die allesamt gewässert werden. Das Grundwasser sinkt dramatisch ab, eine Verkarstung setzt ein durch Überweidung und Wasser das noch vor Kurzem 24 Stunden bis zum Meer brauchte schafft es heute laut Wissenschaft in sechs Stunden. Griechenland ist nicht anders als wir zuhause auch aber der sorglose Umgang mit seinen Schätzen wird hier deutlicher.
– Von Kissamos führt eine Schotterpiste zur Bucht von Balos. Hier begegnen wir wiedereinmal dem Massentourismus. Kolonnen von kleinen Leihautos fahren dort hin um dieses Juwel zu sehen. Es hat sich eine Flachwasserlagune gebildet aus weißem Muschelsand der das Wasser türkiesblau scheinen lässt. Sie wird umlagert von hunderten Sonnenanbetern. Auch wir waten durch das seichte Wasser und schießen unsere Fotos. Zurück auf staubiger Piste freuen wir uns über unseren einsamen Platz, baden uns den Staub vom Körper und genießen die Ruhe. Dabei fällt mir auf dass es diese absolute Stille ist, die uns so fasziniert. Grillen, Ziegengemecker, Vogelzwitschern am Morgen, das Meer plätschert leise. Kein Straßenlärm, kein Rasenmäher und auch keine aufgezwungene Musikkulisse. Hier ist es trotz allem kitschig schön.
– Am Hafen in Kissamos abends vor der Abfahrt treffen wir auf Hannes aus Braunau. Ein alleinreisendes Original. Väterlicherseits Tiroler, worauf er besonders stolz ist. Er war gerade auf der Insel Kithira und hat mehr Infos für uns als ein ganzer Reiseführer. Am anderen Morgen schält er sich aus seinem VW Polo, der auf Reisen auch seine Unterkunft ist und singt uns als erstes aus vollem Hals die Tiroler Landeshymne vor. Von diesem Lied ist er begeistert und hätten wir nicht aufs Schiff gemußt, er hätte noch seine Ziehharmonika ausgepackt und aufgespielt. Er kann nämlich alle 9 Landeshymnen auswendig. Wir sind froh, dass wir dem noch entkommen sind, seine Tipps für die Insel aber haben wir im Gepäck und ich hab für den Rest des Tages einen Ohrwurm im Kopf.

Kithira erreicht man per Schiff vom Peloponnes oder von Kreta. Es gibt noch eine kleine Schwester Antikithira. Wir haben eine Woche bis das Fährschiff wieder vorbeikommt und uns mitnimmt. Ist Kreta in der letzten Woche schon von Touristen überschwemmt worden so ist es dagegen hier wieder herrlich ruhig. Die Saison beginnt erst in 14 Tagen und so sind nur eine handvoll Leute unterwegs. Wir kaufen erst einmal eine Landkarte und einen Reiseführer zum orientieren. Potamos liegt ziemlich zentral und im gut sortierten Supermarkt füllen wir die Vorräte auf. Auch den Bäcker finden wir-mit freundlicher Bedienung. Wir haben nämlich eine Geschichte von Hannes im Ohr: beim Bäcker auf der Insel geht der Brotkauf mit Vertrauen. Man nimmt sich das gewünschte frische Brot und legt das Geld in die Kasse. Einmal soll die Kasse nicht gestimmt haben. Da hat es an den nächsten Tagen kein Brot gegeben. Seit damals stimmt die Kasse wieder auf den Cent genau. Und darüber hinaus hat der Laden ja nun eine Bedienung.
Sonne von früh bis spät treibt die Temperaturen bis auf 35 Grad aufwärts und deshalb suchen wir bald eine Meeresbucht auf. Eine fantastische Kulisse mit hohen Felswänden hinter einem kleinen Kiesstrand bietet Likodimou beach. Uns dämmert langsam dass uns eine Woche hier viel zu kurz werden wird bei dieser Dichte an Naturschönheiten. Also am nächsten Tag ein neuer Sandstrand bei Platia Ammos. Am Abend vor dem Auto mit einem Weinglas in der Hand haben wir den Strand für uns alleine. Zuvor badet noch eine Familie mit drei kleinen Kindern. Das Baby trägt die Mama noch am Arm. Es hat noch keinen Namen. Wie? Gibt’s das? Sie wollen erst schauen was für ein Persönchen es wird mit welchem Charakter und dann den Namen bestimmen und taufen. Das Mädchen haben sie hier am Strand im Meer getauft. Sie haben einen Popen gefunden der das akzeptierte. Alles Wasser der Erde ist heilig, sagt der Vater. Alle standen im Wasser und bei den Orthodoxen Christen wird der Täufling komplett untergetaucht. Wenn es der Priester nur recht fest hält.
Am nächsten Tag die dritte Bucht: Limnionas. Am Weg liegt Kato Xora, ein byzantinisches Festungsdorf in den Bergen und ein Wasserfall mit Gumpe, in der Aphrodite gebadet haben soll. Darin badet auch meine Göttin weil es so idyllisch ist und heiß.
Wir sind mit dem Baloo ja ziemlich autark und so sind wir nicht angewiesen auf das geschlossene Restaurant am Strand. Es gehört Nikos Strategos. Er muß “in the mood“ sein um etwas zu kochen und seine Gäste zu bewirten. Wir gehörten nicht zu den Glücklichen die seine Kochkünste prüfen konnten. Aber dafür zauberte die beste aller Ehefrauen Zatziki, Tomaten- und Kartoffelsalat. Ich hab im letzten Laden nämlich Frankfurter Würstel entdeckt und in den Einkaufskorb geschmuggelt. Dazu gibt’s Brot, korrekt bezahlt.

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Die Stille ist vollkommen, das Licht schwindet und Sterne funkeln. Wir sitzen auf der Hochebene von Karfi vor dem Auto, der Retsina ist kalt, Annelies hat ein Gläschen Limoncello in der Hand. Morgen steigen wir zum Gipfel. Etwas unterhalb sind die Mauerreste einer minoischen Stadt. Von dort sieht man beide Küsten: die südliche und die nördliche.
Wir verlassen die Lassithi-Ebene über ein schmales, aber asphaltiertes Strässchen nach Süden. Die Landschaft ist beeindruckend wild und einsam. Durch Katofigi undEmbaros wird es wiedereinmal eng. Winkelige Gässchen, von Mauern gesäumt und oft kaum über zwei Meter breit machen die Durchfahrt zum spannenden Erlebnis mit durchgeschwitzem Tshirt.
Kein Problem, schwimmen wir doch schon bald darauf im Meer beim Traumstrand von Dermatos.
In Gortis, in der Messaraebene hat man die Hauptstadt der römischen Provinz Kreta und Syrenaika in Nordafrika, ausgegraben. Römische Mauern sind hier vergleichsweise jung gegen jene der Minoer die über dreitausend Jahre alt sind. Daher stehen auch noch eine Basilika, ein Odeon und mehrere Tempel. Auch die Platane wird gezeigt, in deren Schatten der Zeus die Europa genommen hat. Es heißt, nicht unbedingt in beidseitigem Einverständnis. Jedenfalls entstand dort der kleine Minos, späterer König von Kreta. Der Herr Papa hat sich danach rasch vertschüßt, immer auf der Suche in neuen Verkleidungen nach neuen Mädchen. Bis heute eifern die Männer diesem Womenizer nach in mehr oder weniger gelungenen Verstellungen. Wilder Stier bleibt allerdings oft nur ein Wunschbild und so wie bei Zeus nicht über längere Zeit durchzuhalten.
Eine Besonderheit Kretas sind seine Hochebenen mitten im Bergland. Meist kreisrund, topfeben und ohne Abfluss. Es wären Bergseen, wenn es nicht Karst wäre durch den das Wasser durch Höhlen abfließt. Wir sind auf der Omalosebene und wäre hier nicht der Einstieg in die Samariaschlucht, es gäbe hierher wahrscheinlich nur Piste. So aber bringen zahlreiche Busse auf Topstrassen täglich hunderte von Touristen hierher, die durch die Schlucht dem Meer zu wandern. Die Nacht auf 1100m ist kühl und die Sterne scheinen zum greifen nahe. Man vergisst als Stadtmensch oft wie zahlreich es sie gibt.
Von hier wandern wir in die Agia Irini-Schlucht ein Stück von oben nach unten. Von Sougia am Meer gehen wir sie dann tags darauf bergauf, sodass wir sie zuletzt zweimal begangen haben.
Sougia ist ein Drehpunkt des Wandertourismus an der Südküste Kretas. Täglich sind hier hunderte Individual-und organisierte Touristen unterwegs. Manche Wegstrecke entlang der Küste wird verkürzt indem man das Linienboot nimmt das zwischen Paleochora und Chora Sfakion verkehrt. Hier begegnen wir noch dem Backpacker mit Zelt und Schlafsack, der so seine Batterien für ein hektisches Stadtleben auflädt. Frei(heits)zeit, die nicht konsumiert wird sondern gestaltet. Yoga am frühen Morgen am Kiesstrand vor dem Schwimmen – Anneliese ist hier nicht die einzige die es praktiziert. Und weil man davon auch hungrig wird mach ich inzwischen Frühstück.
8 Tage bleiben uns noch auf Kreta. Am 12. Juni gehen wir aufs Ferryboat nach Gytheon auf dem Peloponnes. Acht Tage in denen wir uns langsam auf Kissamos, dem Abfahrtshafen zubewegen. Es bleibt noch genug Zeit um weiter den Südwesten der Insel zu durchstreifen und hoffentlich viel Neues zu entdecken.

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