Archive for Mai 2019

Wir nehmen den Osten Kretas in Angriff. An der Küste finden wir einsame Strände zum Baden und Übernachten und erkunden die Bergdörfer der Thripitiberge im Hinterland. Agios Ioannis, Kaliviti und Pefki sind nur drei davon. Jedes Dorf ist für sich auf eine ganz bestimmte griechische Art schön. Weiß gekalkt, mit blauen Tür-und Fensterstöcken haben die Häuser Blumen mit bunten Blüten auf den Mauern und den Straßen. Gässchen mit Treppen führen zu neuen Ecken mit Aussichten und irgendwo findet sich das Kafenion mit schattiger Terrasse und wir schlürfen Kaffee oder Orangensaft. Und alles ist in das magische Licht der Ägäis getaucht. Yasmina und Reinhard sind auch wieder zu uns gestoßen und gemeinsam wird gewandert und eingekehrt.
In Zeiten des überall verfügbaren Internets bekommen auch wir eine Nachricht aus der Heimat, die Grund zum Anstoßen, aber auch zum Nachdenken gibt: Der aufgeblasene Parteiführer und Vizekanzler der Republik mußte zurücktreten. Türkis-Blau endet mit einem Paukenschlag. Welche Leute sind da in der Regierung? Brandstifter, Volksverhetzer und Betrüger. Zum Glück beendet ein Video, das korrupte, machtgeile und dabei brunzdumme Volksvertreter zeigt, deren Karrieren. Der Schaden für unsere Demokratie bleibt leider und endlose Streitereien und Machtspiele werden folgen und weiteres Geld der Steuerzahler kosten. Leider kann man nie das ganze Geschwür entfernen. Von irgendeinem Loch aus wird es wieder Fäden spannen.
Samstags wandern wir in die Schlucht beim Moni Kapsa, das idyllisch über dem Eingang zum Gorge liegt. Wir übernachten am unterhalb gelegenen Strand und können durch die spezielle Akustik des Klosters, an der Felswand gelegen, am Morgen die zweistündige gesungene Messe während unseres Frühstücks mithören. Ob wir wollen oder nicht.
In Zakros führt ein Wanderweg durch den Death Canyon hinunter nach Kato Zakros. Es wird unsere 13. Wanderung heuer in Kreta. Hier stand der 4. große Palast der Minoer und der Hafen war einer der wichtigsten auf Kreta in minoischer Zeit. Ihre Toten begruben sie in den Höhlen der Schluchtwände. Daher der Name Tal der Toten. 1450 bC ging auch dieser Palast in Trümmer und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Blüte der Minoer war vorbei. Viele Fragen zu ihrer Geschichte bleiben offen.
Die griechischen Mythologie gibt aber verschlüsselte Auskunft:
Prinzessin Europa kommt aus dem Osten nach Kreta, entführt von Zeus: Einwanderung der Minoer.
die Athener müssen dem Minotauros Menschenopfer bringen: sie unterwerfen sich den minoischen Herrschern von Kreta.
Theseus kann endlich den Minotauros besiegen: die mykenischen Griechen können sich aus der Abhängigkeit lösen.
und dass die Geschichte des König Minos auf Sizilien endet, könnte schließlich auf minoische Flüchtlinge hindeuten, die nach der Eroberung durch die Mykener ins westliche Mittelmeer flüchten.
Zurück in die Gegenwart: die Nachfahren der Minoer und der Griechen haben keine Eroberungen mehr im Sinn, lassen sich vielmehr von den Europäern im Sommer überfluten. Wir bemerken dass der Sommertourismus langsam in Schwung kommt. Zudem sind wir an der Nordostecke bei Sitia angekommen. Die Nordküste hat mehr Hotels und Infrastruktur zu bieten und auch für ein Nachtleben ist gesorgt. Wir haben unseren Übernachtungsplatz an der Kaimauer im Fischerhafen. Es könnte laut werden zur Partytime. Wir lassen uns weiterhin treiben und können jederzeit dem Trubel ins Landesinnere und in die Berge entfliehen.

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Der Psiloritis ist nicht ansteckend, ja nicht einmal eine Krankheit, sondern der höchste Berg Kretas. Er leuchtet weiß und schneebedeckt über den Dörfern , die sich ebenfalls in weiß an ihn schmiegen. Grund genug sie abzuklappern. Hier ein Greek-Coffee im Kafenaion, dort ein gepresster Orangensaft mit süßem Gebäck in der Bakery. In Platania wandern wir schluchtaufwärts bis zu einer Höhlenkirche und zurück durch Ziegenland zum Dorf. (Sehr zum Gaudium vom Hund). Vor Zagros ist unser Nachtplatz beim Kloster Vrontissi des Hl. Antonius. Es stammt aus dem Mittelalter und besitzt herrliche kostbare Ikonostasen. Die beiden Platanen die am Eingang Schatten spenden sind wahrscheinlich ebenso alt und riesig.
Jetzt haben wir aber einen Termin. Wir freuen uns auf Christoph. Er ist ein Schweizer Weltenbummler und wohnt ganzjährig in seinem Rolling-sweet-home. Zurzeit hat er sein Domizil in Pitsidia am Komos-beach. Über den Cliffs und dem kilometerlangen Sandstrand sitzt er mit seinem Hund Grameno und erzählt uns seine Geschichten über Erlebtes und seine Sicht auf Land und Leute. Man merkt, er liebt die Menschen und betrachtet sie doch kritisch. Und manche Geschichte wird einfach erzählt aus reiner Fabulierlust. Wir sehen uns immer wieder einmal seit wir ihn 2014 in Armenien das erste Mal getroffen haben. Seine shortstories stehen auch unter http://www.rollingsweethome.blogspot.ch im netz. Zwei Abende und einen langen Strandtag haben wir es gut bei Rotwein, selbstgekochtem Eintopf “greekstile“ und kannenweise Milchkaffee, Christophs Lebenselexier.

Die folgenden Tage bewegen wir uns an der Südküste Kretas weiter Richtung Osten. Wir haben unsere Wahlkarten geordert und die werden an die Adresse des Campingplatzes in Ierapetra gesendet. In einer Woche können wir sie dort in Empfang nehmen und wieder zurücksenden. Wir besuchen das Bergdorf Kapitaniana am Kofinas mit Aussicht auf das Libysche Meer, fahren durch die Berge an den Strand von Tripiti und wandern bei Mirtos in die Sarakina-Schlucht. Einem Tip von Christoph zufolge erklimmen wir über gefühlte 1000 Serpentinen die Strasse nach Kato Simi und weiter auf das Hochplateau des Dikti-Gebirges. In völliger Einsamkeit marschieren wir bis zum Kirchlein am Rand eines Sees und besuchen einen Tempel des Hermes und der Aphrodite, gebaut auf minoischen Fundamenten.
Eine kleine Geschichte über Leon:
Er liebt Schafe und noch mehr Ziegen, besonders wenn sie herdenweise auftreten. Es macht Spass wenn sie vor ihm in wildem Galopp flüchten. Desshalb geht er immer Leine. Neulich war er noch nicht angeleint als das Mutterschaf mit Nachwuchs auftaucht. Leon stürmt los, die Wollknäuel rennen bis die Mutter merkt dass der Hund immer näher kommt. Also stellt sie sich zum Kampf und rennt dem stürmenden Leon den Kopf so in die Seite dass es ihn fast überschlägt. Nach einem weiteren Stoß tritt er mit eingezogenem Schwanz den Rückzug an, völlig aus der Fassung gebracht. Vielleicht eine Lektion.
Leon macht diese Spielchen auch mit Autos, Mopeds und Motorräder. Und da wird’s wirklich gefährlich. Der Christoph hat uns schon geraten etwas zu unternehmen bevor was passiert. Grameno, sein Hund verfolgte immer den Nachbarn auf seinem Traktor und bellte ihn aus. Christoph ist studierter Pädagoge und wußte sich auch keinen Rat mehr. Der Bauer meinte er müsse den Hund “wamsen“. ??? Ein Ausdruck im SchwizerDütsch. Das geht so: der Bauer fährt mit dem Traktor vorbei, der Hund stürmt los doch Christoph ist mit einem Besen auf Posten. Damit wird der Hund gewamst. Beim nächsten mal braucht er nur noch den Besen zu heben und der Grameno legt sich wieder nieder. Das sind nun die erprobten Methoden der schweizer Landbevölkerung. Der hemdsärmelige Bauer hat dem Pädagogen eine Lehrstunde in Hundepsychologie gegeben. Jedenfalls hat Christoph kein Problem mehr mit vorbeifahrendem Verkehr.
Ich hab es nicht geschafft den Leon derart drastisch zu wamsen. Aber vielleicht hat das ja auch das Mutterschaf für mich erledigt. Wenn es nicht half müssen wir uns noch einen “Wamsbesen“ zulegen.
Sollte ein Hundeflüsterer unter den Lesern sein wären wir dankbar um seine Ansichten zum Thema wamsen.

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