Archive for April 2019

In Griechenland empfängt uns blauer Himmel und ein ebensolches Meer. Unser Plan war es über Patras und den Peloponnes bis Gytheon zu fahren und weiter mit dem Fährschiff nach Kreta. Daraus wird nichts. Leider ist die Fähre nur einmal wöchentlich unterwegs und nächste Woche ausgebucht. Also müssen wir nach Piräus von wo auch Fähren starten.
Ersteinmal treffen wir noch an der Westküste Irene und Jörg aus der Regensburger Gegend. Wir kennen sie von früher als wir in Frankreich unterwegs waren. Ein riesiger Mond leuchtet uns als wir etwas später wie gewohnt in die Federn schlüpfen.
Auf der National Road gehts auf der Nordseite vom Golf nach Itea und Delphi.

Dort prüfen wir ob 42 Jahre nach dem 1. Besuch noch ebensoviel steht. Alles ist erhalten und immer wieder interessant. Nur Besucher gibt es ungeahnt mehr. Und wo wir damals herumkletterten stehen heute don’t dutch- Taferln. Im nahe gelegenen St. Lucas- Monastery steht elfhundertjahre alte Architektur. Hier beginnt eben der Osterputz der Mönche bzw. deren Helfer. Schliesslich ist man Weltkulturerbestätte der UNESCO. Zum Schlafen gehts zum Kloster des Heiligen Nicolaus. Weil das Gatter schon zu ist stellen wir uns auf die Wiese mit grandioser Aussicht. Der Bauer dem sie gehört heißt uns ausdrücklich willkommen . So ist er,der Grieche- und auch desshalb ziehts uns immer wieder hierher.
Tags darauf erreichen wir Piräus und am Abend sind wir nach einer ruhigen Überfahrt in Souda auf der Insel Kreta. Wir sind noch keine 200 m aus dem Hafen, stoppt uns ein Auto

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Heraus springt ein Grieche der meine Hand packt und kräftig schüttelt. Er hat unser Nummernschild gesehen und mußte uns anhalten. Er hat vor ein paar Jahren in Kufstein das griechische Restaurant gemeinsam mit seiner Frau betrieben. Viele Erinnerungen an damals mußte er loswerden. Seine Frau Elena erklärt mir dasselbe am Telefon. Er gibt mir noch seine Telefonnummer für alle Fälle,sollten wir in Not geraten. Weil es schon 23h vorbei ist verrät er uns noch einen ruhigen Schlafplatz im Hafen vor seinem Schiff. Er ist jetzt Kapitän eines Hafenschleppschiffes und bugsiert die großen Kreuzfahrtschiff in und aus dem Hafen. Wäre nicht die Horde Hunde um unseren Platz gewesen, die Nacht hätten wir gut geschlafen. Am Morgen wachen wir auf und stehen überrascht neben einem Kreuzfahrer, 7 Stockwerke hoch und ewig lang. Schon ab 7h morgens beobachten wir hunderte Menschen beim Landgang. Wir haben denselben Weg in die Innenstadt von Chania.Sie mit Bussen, wir mit unserem Baloo.
Dort schlendern wir durch den alten Hafen und schauen uns bei einem frisch gepressten Orangensaft das Treiben der ersten Touristen und der Souvenirhändler an.
Reinhard und Yasmina aus Kufstein treffen wir zum Essen und fahren gemeinsam nach Ag.Onoufrios an einen kleinen Strand zum Übernachten. Bei einer guten Flasche Weißwein werden die Erlebnisse der bisherigen Reise ausgetauscht. Dann trennen sich wieder unsere Wege. Sie sollen aber immer wieder einmal zusammentreffen.

Im Norden Kretas leben 3/4 seiner Bewohner. Hier sind die wenigen größeren Orte und auch die meisten Hotelanlagen. Da zieht es uns eher in den Süden mit seinen Buchten, Stränden, Wanderzielen und einsamen Ecken. Um Chora Sfakion gibt es Canyons zu durchwandern. Die Asfendou-und die Aradenaschlucht sind zwei davon und werden begangen. In der einen gibt es ganze Hänge mit Salbei, die Felswände der anderen werden von schwindelfreien Ziegen beklettert. Ein Steilabbruch mit Leiter zwingt zum umdrehen. Unmöglich den Leon da hinunter zu bringen. Unser Schlafplatz ist daraufhin die hohe Stahlbrücke über die Schlucht. Zwei Brüder aus dem Dorf Aradena kamen in Amerika zu Reichtum und haben die Brücke finanziert. Seither müssen die Bewohner des Dorfes nicht mehr in die Schlucht abzusteigen um zu ihren Häusern zu kommen.
Mit Yasmina und Reinhard legen wir zwei Strandtage bei Frankokastello ein. Die Wassertemperatur taugt schon für Badespass. Einen Tag später trennen sich die Wege in Plakias, nachdem wir gemeinsam die Kotsifu-Schlucht mit ihren zahlreichen Ölmühlen erforschten. Da unser Ziel der Weg ist bewegen wir uns weiter nach Osten. An den Dörfern am Psiloritis, der schneebedeckten höchsten Erhebung Kretas entlang werden wir in ein paar Tagen in Matala, der Hippiehochburg sus vergangenen Tagen, sein . Hier wartet Christoph, ein alter Bekannter Schweizer mit seinem Hund auf uns und Leon.

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Frühjahr 2019
Alle reden von Entschleunigung, wir tun es. Tempo 80 nur wenn die Straße maximal eben ist und Rückenwind vorherrscht. Über längere Steigungen sammeln wir hinter uns andere Verkehrsteilnehmer, oft eine ganze Kolonne. Jetzt bin ich einer dererer, welche mich früher bei Eile zur Verzweiflung brachten. Es kommt eben alles auf den Blickwinkel an.
Die intensivste Reise macht man zu Fuß. Rad ist auch gut, Autos sind zu schnell um Details aufzunehmen. Da hörten wir von Reisenden mit alten Traktoren die zum Nordkap oder nach Spanien fahren. Von Stund an faszinierte uns die Idee eines langsamen Gefährts, nur wollten wir eines auch zum drin wohnen. Der Baloo, ein Geländewagen aus 1990 erfüllt weitgehend diesen Anspruch.
Höchstgeschwindigkeit 90 kmh, aber robust und eine Klettergemse in jedem Gelände. Mit ihm würde es möglich sein durch Sand und Matsch jedes entfernte Land zu bereisen.

Wir durchqueren Slowenien, fahren durchs dalmatinische Hinterland. Hier ist es ruhig, ausser in Plitwitzka NP sehen wir keine Touristen. In den Städten sieht man immer noch Spuren des Krieges. In Knien waren vor dem Krieg 78% Serben, 22% Kroaten. Nachdem die serbische Armee Knien eroberte mussten die Kroaten fliehen, wollten sie nicht ermordet werden. Nach der Rückeroberung der Stadt durch die Kroaten flohen die meisten Serben aus der Stadt. Heute leben 72% Kroaten und 28% Serben. Und wir hoffen für sie dass sie Frieden und Versöhnung finden.
Über die Grenze nach Bosnien-Herzegowina merkt man bald dass man in einem der ärmsten Länder Europas ist. Fehlende Industrie und Fremdenverkehr zwingt die Menschen vor allem am Land Selbstversorger zu sein. Ein paar Hühner und Schafe und ein sehr gepflegter Gemüsegarten zeugen vom einfachen Leben. Viele Menschen sind ins Ausland gegangen um zu arbeiten. BIH ist noch ein Entwicklungsland. Umso interessanter für uns es kennenzulernen

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Wir übernachten in Niksic am Parkplatz der Busstation. Das Gebäude ist eine Ruine mit eingeschlagenen Fenstern und zerstörter Inneneinrichtung. Die umliegenden Häuser sind alle zerschossen und unbewohnt. Nur in der Altstadt gibt es ein paar Lolale in denen nur Männer sitzen. Weil Sonntag ist gehen Familien spazieren. Die Frauen tragen sackartige Mäntel und Kopftuch. Die Männer grüßen mich freundlich und staunen über jemanden der mit einem Hund an der Leine geht. Hunde sind hier an der Kette oder halbverhungerte Gerippe oder beides.
Über einen Pass geht es nach Montenegro. Wir fahren zum Kloster Ostrog zum übernachten. Die Kirche klebt hoch über dem Tal an einer überhängenden Felswand. Das Wetter ist regnerisch und Nebel macht uns fast unsichtbar .
Wendet man sich in Podgoriza westlich erreicht man bald den Zufluss des Shkodrasees. Es ist eine märchenhaft schöne Gegend. Der Fluss schlängelt sich breit eingerahmt von Schilfteppichen und Seerosen dem See entgegen. Eine Straße, kaum breiter als unser Auto führt nach Süden hoch am Berg den See entlang. Herrliche Ausblicke ergeben sich.
In einem Dorf machen wir Halt in der Nähe der Schule. Keine Menschenseele ist zu sehen. Das Schulhäuschen hat ein winziges Klassenzimmer mit einem Lehrertisch, 2 Bänken für 4 Schüler, ein niederes Kästchen und einen Kanonenofen mit einem Holzkorb. Ob hier noch Schule gehalten wird? Auf dem Lehrerpult liegen Hefte und das Klassenbuch.
Nach dem Essen machen wir einen Rundgang. Zwischen Trockenmauern führt der Weg durch die ummauerten kleinen Felder zum Dorfrand. Hier weiden ein paar Ziegen zwischen den Felsblöcken am Bergabhang. Wir staunen über uralte Kastanienbäume. Die Stämme haben bis zu 3 Meter Durchmesser. Niemand pflegt sie mehr und so brechen alte Äste und Kronen ab und junges Holz treibt aus den alten Stämmen. Die Ernte von tausenden Kastanien des Vorjahres verfault am Boden. Früher wird sie eine Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier gewesen sein. Selten hat ein Dorf eine so verwunschene Stimmung erzeugt.
Morgen erreichen wir die Grenze Albaniens.

Frühjahr 2019 II
Nach einer Fahrt über 50km Panoramastrasse am Lake Shkodra entlang kommen wir zur albanischen Grenze und nach Shkodra. Die Stadt erstickt förmlich im Autoverkehr. Wir decken uns mit Obst und Gemüse ein und fahren zum Campingplatz LakeShkodraResort. Der Platz liegt am Seeufer, hat 1a Sanitäranlagen, Waschmaschinen und Trockner, was wir alles nutzen. Inzwischen hat es zu schütten begonnen und die wenigen Camper verziehen sich in ihre Autos.
Nach Auskunft am Platz ist die Straße nach Teth in die Berge gesperrt. Hätte bei dem Wetter auch keinen Sinn nachdem lt. Wetterbericht die nächsten Tage stürmisch bleiben. Wir werden eher am Meer bleiben und wahrscheinlich schneller als geplant weiterfahren, hoffentlich einem einigermaßen schönerem Wetter entgegen.

Wir verlassen Shkodra nach Süden, biegen in eine Nebenstrasse nach Lezhe ein die bald nur mehr aus Löchern im Asphalt besteht. Der Himmel klart auf und an der Küste findet sich ein guter Platz am Strand. Wir sitzen in der Sonne, spazieren am Sandstrand entlang. Vom Meer zieht am Abend ein Gewitter über uns, doch da sitzen wir schon längst in unserem Wohnzimmer. Anneliese strickt meine Socken weiter, der Hund liegt unter dem Bett und es wäre rundherum gemütlich müsste ich nicht noch mit Leon Gassi gehen. Ich hoffe noch auf ein Ende des Gewitters vor dem schlafengehen.

Am Morgen ist schönes Wetter. 3 Hunde sind schon zum betteln vor dem Auto. Nachdem unsere und alle anderen Mäuler satt sind starten wir zu unserem nächsten Ziel: Kap Rodon an der Spitze einer weit ins Meer ragenden Halbinsel. Nach dem letzten Dorf kommt eine Privatstrasse die zu einem einsamen Kirchlein führt, das früher ein Kloster war. Es stammt aus dem 13.Jh und steht auf einer Wiese mit Meerblick. Wir wandern zu Fuß weiter bis zu einer Festung aus dem Mittelalter. Heute gehört die ganze Spitze der Halbinsel der Kirche- zum Glück muss ich sagen weil sonst schon alles Baustelle für Hotelneubauten wäre. Alles ist friedlich und wir warten auf Fuchs und Henne zum Gutenachtsagen.

Es folgt ein Tag an dem wir auf Hauptstrassen südlich fahren und er wäre nicht erwähnenswert wäre ich nicht im Hof unseres Restaurants bei einem tiefhängenden Stromkabels eingehakt. Zum Glück ist nicht die Leitung gerissen sondern wurde nur unsere Oberlichte des Bades kaputt. Die habe ich mit Tape professorisch repariert. Das war in Viore an der Küste.
Wir beschliessen trotz Regenwetter in die Berge nach Gjirokaster zu fahren.

nicht Autobahn sondern über die Pässe auf kleinen Nebenstrassen. Als der Asphalt aufhört und der Baloo über Felskanten und Bachsteine holpern muß wissen wir dass die Strasse sehr “neben“ ist. Ca. 50km kurven wir steil bergauf bergab, haben tolle Ausblicke in Täler und Schluchten. Hin und wieder begegnet uns ein Hirte oder ein Einheimischer mit klapprigem Mercedes. Was die aushalten müssen ist enorm. Kein Wunder daß der Albaner auf diese Marke schwört. Albanien, das Land der in Europa ausgemusterten Mercedese. Unser Baloo besteht auch diesen Härtetest. Ich weiß nun dass er kein Öl verbraucht, der Motor nie heiß wird und die Allraduntersetzung so gut wie jede Steigung meistert. Nach gesamt 107km und einer reinen Fahrzeit von 5Std. richten wir unser Nachtlager im Auwald des ungeregelten Vjoses-Flusses ein. Schön, ruhig, einsam, nur leider regnerisch wie an allen letzten Tagen.
Am Morgen Start nach Gjirokaster. Es trägt den Titel einer Weltkulturerbestätte. Daher wird hier auch mit Sorgfalt alte Bausubstanz erhalten und wiederbelebt. Die Straßen des Stadtzentrums sind gerade aufgerissen um sie neu zu pflastern damit man für den Sommertourismus gerüstet ist. Alles überragt eine riesige Festungsanlage, gebaut und immer wieder erweitert von den unterschiedlichsten Besatzern. Die letzten waren die Italiener und die Deutschen. Leider haben die Menschen durch sie leidvolle Erfahrungen erleiden müssen. Jetzt haben die Albaner ihre Zukunft selbst in der Hand. Die anfängliche Euphorie nach dem Ende der Diktatur ist einer Ernüchterung gewichen. Es gibt wenig Arbeit und viele von europäischen Banken finanzierte Projekte blieben stecken. Unzählige Hotel- und Rohbauruinen zeugen davon. Auf der Burg treffen wir Kosovo-Albaner, die in der Schweiz arbeiten. Diese Leute verstehen es hart zu arbeiten. Sie empfahlen ihren Landsleuten aufzuhören mit Jammern und anzupacken. „der Weg nach oben führt unten durch“ meinte der Mann trocken.
Wir trinken Kaffee auf einer kleinen Terrasse und flüchten anschließend im strömenden Regen zum Auto.
Wir fahren noch bis Butrint am Meer, das wir noch vom letzten Besuch kennen, und haben einen Logenplatz mit Meerblick für die Nacht. Morgen werden wir in Griechenland einreisen.
Doch das wird eine andere Geschichte

GlGr. AuGuL

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