Archive for 25. August 2018

Stan Nadolny schreibt: „ Langsamkeit macht sehend.“ Eine Erkenntnis die wir auch wieder machen. 

Unsere Reiseroute bleibt vage und wird fast täglich erlesen und nach Bedarf umgesetzt. Zu viele Ziele gäbe es anzufahren, zu besuchen oder zu erwandern. 

Von der Stadt Umea, dem Endpunkt unserer Fährfahrt nach Schweden geht es zuerst noch etwas nördlich zum Vildmarksvägen. Diese Straße beschreibt einen großen Bogen bis zur norwegischen Grenze. Entlang von Flüssen, die wildschäumend über Forsen genannte Stufen Richtung Bottnisches Meer fließen. Die Lachse müssen diese Stromschnellen überwinden und sind dabei den Nachstellungen der Fischer, aber auch denen der Bären ausgesetzt. Fischer sieht man häufig, die Bären, von denen es hier viele geben soll, sind scheuer. 

Wir sind noch immer in Lappland und besuchen auch das Kirchendorf Fatmomakke, was übersetzt „einander umarmen“ heisst. Da die Sami Nomaden waren kam man nur 2x im Jahr zusammen, um in der Kirche die Messe zu feiern. Dabei wurde auch geheiratet, getauft, beerdigt und Geschäfte getätigt. Als Unterkünfte wurden rund um die Kirche kegelförmige Hütten aus Holz und Rinde errichtet. Die Tradition lebt noch heute und auch an diesen Plätzen wird das Midsommerfest gefeiert, an dem nicht nur Sami teilnehmen. Es soll noch 16 solcher Kirchendörfer in Schweden geben. 

Wir haben für die Nacht lieber einen Campingplatz aufgesucht. Einen mit besonderen Note: nebenan unseres Stellplatzes am Seeufer war die Sauna schon warm. Rasch noch ein paar Birkenscheite in den Ofen und rein ins Vergnügen. Weil das Häuschen samt der Terrasse über den See gebaut ist, ist auch für die anschließende Abkühlung durch einen Sprung ins Wasser gesorgt. 

Jetzt wollen wir aber endgültig nach Süden und wieder an die Küste. Das wäre rasch getan ,lägen nicht am Weg noch zahlreiche Orte die wir sehen wollen.

Strömsund, Östersund, Ljusdal, und viele mehr. 

In Mora werden in der Manufaktur die berühmten Dalapferde aus Holz erzeugt und in Leksand in der Backfabrik das ebenso berühmte schwedische Knäckebrot. Ein Fixpunkt ist noch Schloß Gripsholm in Mariefred, berühmt geworden durch den gleichnamigen Roman von Kurt Tucholsky. Der liegt hier am Friedhof begraben. Wir haben einen Stein auf seine Grabplatte gelegt. Die Menschen hätten ihn noch als Kritiker und Mahner so dringend nötig gehabt als er sich 1935 angesichts der Nazidiktatur in Deutschland das Leben nahm. 

Wir bleiben noch eine Woche in Schweden, die wir an der Scherenküste im Süden verbringen wollen. Doch das wird eine andere Geschichte.

 

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