Archive for Juli 2017

Nach 4.500 km Kasachstan sind wir nun seit einer Woche in der russischen Föderation. Samara, Kazan, Nizhny Novgorod, Vladimir. Kirchen, Klöster, Wolgahäfen, die Ausgrabungen von Bolgar und dazwischen endlos viele Kilometer Straßen, die an Verkehrsdichte den Brenner locker in den Schatten stellen. Am Ende jeder Tagesetappe aber meist als Belohnung ein schöner Nachtplatz: Hafenterrasse über der Wolga mit Begleitmusik aus zahlreichen Autoradios; Strandplatz mit Bad an der Sura mit Gelsen, die auch in unserem Auto übernachten wollen; Parkplatz vor dem Kloster Pechorsky mit Weitblick über die Wolga und frühen Kirchgehern am Sonntagmorgen.

Die Natur entlang unserer Route hat sich auch geändert: waren es noch vor wenigen Tagen Steppen mit verdorrtem Gras sind es nun Birken- und Nadelwälder. Einen Hinweis auf möglichen Elchkontakt gab es schon. Aus einer überwiegenden Zahl von Islamgläubigen wurden nach und nach orthodoxe Christen.

Morgen gibt es noch einmal geballte Kultur: das alte Suzdal. 2×2 km Stadt, aber 15 Kirchen und Klöster. Doch nur vorbeifahren können wir einfach nicht – auch wenn die Festplatte schon übergeht.

GlbGr an alle
AuGuL

Bilder zu Russland:

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Ein paar Betrachtungen: Zentralasien ist nicht erst seit kurzem im Zentrum des Interesses. Es war immer ein Knotenpunkt: im Netz der antiken Seidenstraße, als Herz des Mongolenreiches Dzhingis Khans, als Zentrum des Riesenreiches Tamerlans und zuletzt Objekt der Begierde der russischen Zaren und Bolschewiken. Handel brachte Reichtum, gute klimatische Umstände führten zu ertragreichen Ernten. Heute kommt noch ein weiterer Reichtum dazu: diese Länder sitzen auf Bodenschätzen und riesigen Gas- und Öllagerstätten und werden von China, Amerika und Europa umworben. Da wird auch weggeschaut, wenn das Demokratieverständnis, die Menschenrechte und der Umweltschutz nicht immer unseren Konventionen entsprechen. Hauptsache man bleibt im Geschäft.

Von allen zentralasiatischen Staaten (mit Aserbaidschan) hat nur Kirgistan eine funktionierende Demokratie. Alle anderen Staaten werden von Familienclans regiert. Zum Beispiel ein Autokrat wie Nazerbajev, Präsident Kasachstans, bestimmt allein die Politik des Landes. Und Priorität haben nicht die Gesundheit der Menschen, die Bildung oder die Sozialpolitik, sondern sein Steckenpferd. Er leistet sich den Neubau einer ganzen Hauptstadt Astana. Ein Milliarden – Megaprojekt, um sein Präsidentenego zu befriedigen. Dabei sollte er die Situation in den bestehenden Städten und Dörfern studieren. Ohne Wasserleitung und Kanal lebt es sich nicht so bequem wie in seinem „Weissen Haus“. Desolate Schulen, Wohnhäuser und Straßeninfrastruktur auf allen Nebenstraßen warten dringend auf Investitionen. Eine interessante Lektüre wäre das Buch „good father in law“ seines in Ungnade gefallenen Schwiegersohnes Rachat Alijev, der in einem österreichischen Gefängnis ums Leben kam. Aber so genau wollen unsere Politiker gar nicht wissen – 1.) stört es die Geschäfte und 2.) man weiss ja nie was nachkommt – siehe Irak oder Libyen.

Um seine Landsleute auch mit seiner Hauptstadteuphorie anzustecken, rief er gerade die Astanaer Tage aus. 4 arbeitsfreie Feiertage am Stück. Das hätte uns fast getroffen. Ein Dichtring an der Steckachse wurde undicht. Also in die Werkstatt. Hätten wir nicht einen winzigen Garagenbetrieb gefunden, in dem das Auto im Hof sofort repariert wurde, hätten wir bei einer Vertragswerkstatt eine viertägige Zwangspause einlegen und zudem auf das Originalersatzteil aus Almaty warten müssen. In Astana findet soeben die Weltausstellung statt und die sollten auch seine Kasachen bewundern können.

Jetzt sind wir schon etwas früher als geplant im Oblast von Oral. Durch die abwechslungsarme Steppe machten wir fast immer mehr Tageskilometer als geplant. Einzig die frühere Hafenstadt Aral und ihren trockengefallenen Fischereihafen besuchen wir. Die Bewohner kämpfen gegen die Wüste und hoffen, dass das Meer irgendwann zurückkommt.

Eine Herausforderung für Leute wie uns, die keine 10 Worte russisch können, ist die Sprache. Inzwischen funktioniert ein kleiner „smalltalk“ ganz gut. Zudem sprechen hier in Kasachstan einige deutsch, das bis vor ein paar Jahren in der Schule unterrichtet wurde. So werden viele Freundlichkeiten ausgetauscht, wir bekommen Brot, Krapfen, Käse usw. geschenkt und werden oft eingeladen. Auch wir haben viel Besuch in unserer „Wohnung“. Küche, Bett, Tisch und Toilette werden bestaunt.

Auch bei der Polizei kommen wir inzwischen immer besser weg. Tagfahrlicht vergessen – straffrei. Statt einer lästigen nächtlichen Kontrolle – wir sind schon im Bett – gibt es eine Visitenkarte vom Polizist mit Telefonnummer. Wir sollen uns melden wenn wir seinen Schutz benötigen. Die Polizei auch dein Freund und Helfer!

Nun sind wir quer durch Kasachstan gefahren – es sind ca 4.500 km und verbringen nun die letzten Tage hier am Oral – Fluß, da unser Visum für Russland erst ab 24.7. gültig ist.

Ganz liebe Grüße AuGuL

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Raus aus den Bergen und hinein in die Steppe Kasachstans. Die letzte Stadt in Kirgistan in Karakol, auf dem Markt füllen wir unsere Vorräte auf, das rege Marktleben ist farbenprächtig und exotisch. Eine letzte Passstraße reizt uns noch: über den Chonashu mit 3822 Metern Höhe gelangt man ins Tal des Engilchek- Gletscher, mit 51 km Länge einer der stattlichsten im Tien Chan. Uns genügt der Anblick der vielen Sechs- und Siebentausender. Leon tobt im Schnee und dann suchen wir uns einen Übernachtungsplatz 1100 Meter tiefer im Almboden bei den Pferdeherden.

Der kleine Grenzübergang zu Kasachstan bei Sari Tash ist nur im Sommer geöffnet und vor allen Dingen sehr unbürokratisch. In Rekordzeit von 30 Minuten sind wir durch und wir schaffen am gleichen Tag noch den Weg zum Charyn- Canyon. Der Charyn hat sich durch den Berg gegraben und dabei skurile Figuren aus Stein geschaffen die wir durchwandern.
Die Landschaft hat sich inzwischen total verändert, Steppe und Sandwüste dominieren das Bild. Die oder der Ile hat sich ein Tal gegraben und die Menschen haben es seit tausenden Jahren, als das Klima noch feuchter war, besiedelt. Sie haben an vielen Stellen Gravuren im Fels hinterlassen. Vermutlich waren es uralte Kultstätten und Abbildungen von Tieren die gejagt wurden. Aber auch buddhistische Mönche, die auf der Seidenstraße unterwegs waren ritzten Symbole ihrer Religion in den Stein. Der Ile ist nur einer der Ströme, die durch das Siebenstromland fließen. Sein Delta ist riesig und er gießt sein Wasser in den Balchachsee. Heute hat sich das Klima verändert, dürre Steppe herrscht vor. Noch vor dem Weltkrieg war hier dichter Dschungel und 1939 wurde der letzte Turan-Tiger geschossen. Jetzt bevölkern Angler die Ufer des Flusses. Nicht immer ist dann der Amurkarpfen oder Wels das Ziel der Männer. Man verbringt ein Wochenende mit Freunden bei Bier, Wodka, Schaschlik, Mücken und Zeltromantik.

Nicht nur in Kirgistan, auch in diesem Land gibt es Balbals, die steinernen Wächterfiguren, die oft schon mehr als 1000 Jahre die Landschaft bewachen. Mit einer unzureichenden Beschreibung des Standortes brauchen wir Stunden um eine Gruppe auf einem Hügel im Nirgendwo zu finden und für euch zu fotografieren.

Stetig geht es nun nach Westen in Richtung russischer Grenze. Ohne unsere spontanen Umwege und Abstecher sollten wir täglich ca. 150 km fahren, um zum Beginn des Russland-Visums am 24.7. an der Grenze zu stehen. Aber schon kundschaftet Anneliese weitere Highlights und „musts“ aus, und die Tagesetappen werden entsprechend länger. Dabei wird das Wetter täglich heisser, 37° und mehr verführen uns oft zu einem Stopp am See oder Bach – Erholung für uns und Leon die Wasserratte. Zum großen Glück fahren wir noch am Rand der schneebedeckten Tien Shan- Ausläufer, und der nächtliche Bergwind kühlt.
8.7.:
Jetzt hat uns die Hitze endgültig erwischt! Wir stehen bei 45 Grad und müssen unseren Tagesablauf danach richten!

GlbGr. an unsere Familie und Freunde

AuGuL

nun kommen die Bilder aus Kasachstan:

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