Archive for April 2017

Der Grenzübertritt gestaltet sich schwierig. Ein kleiner Fehler von mir und Anneliese hat ein „big problem“. In ihrem Pass steht vor dem Namen Mag.phil. und ich habe nur Mag. im Visaantrag geschrieben. Da muss der Polizeichef selbst entscheiden, ob das Visa gültig ist. Nach 3 Stunden Wartezeit gibt es ein ok und wir dürfen in Aserbaidschan einreisen.

Die Schnellstraße führt über Gäncä, Yevlax und Haciqabul geradewegs nach Älät ans Kaspische Meer. Wir fahren zügig, biegen nur einmal zum Ort Göygöl, dem früheren Helenendorf, ab. Die Johannes – Kirche ist neugotisch, die Häuser typisch schwäbisch, die Einwohner Azeris. Die Geschichte des Ortes könnte nicht interessanter sein: eine Württembergische Prinzessin wird die Frau des russischen Zaren. Ihr Sohn, Zar Alexander der I. verspricht den gebeutelten protestantischen Schwaben eigenes Land, Religionsfreiheit und keinen Kriegsdienst leisten zu müssen, wenn sie im Kaukasus siedeln. 1816 brechen weit über 1000 Familien mit Planwagen auf, erreichen 3 Jahre später Aserbaidschan und gründen mehrere Siedlungen und Dörfer. Diese Menschen wohnen bis in die 1930iger Jahre in der fremden Kultur mit ihrer eigenen Sprache, Religion, Brauchtum und Tracht. Es kommt viel knowhow ins Land wie Weinbau, Wagenbau, Küferei und vieles mehr. Die Siedler leben Tür an Tür mit der muslimischen Mehrheit und man lernt von einander. Sogar im 1. Weltkrieg kämpft man Seite an Seite mit Russland gegen Deutsche, weil hier ihre neue Heimat war. Erst Stalin enteignete sie und schickte sie in die Verbannung nach Kasachstan und Sibirien, weil es Deutsche waren. Der Nachwelt hinterließen diese Menschen reiche Erinnerungen. Heute ist die Gegend von den vielen Weinbergen geprägt.

In Qobustan gibt es Schlammvulkane zu sehen, aber erst nach einer anspruchsvollen Piste. 300 der weltweit 1000 solcher Höcker, die kalten Schlamm ausspucken, sind hier versammelt. Es entweicht Methangas, 230 Mill.m3 im Jahr, und trägt auch nicht wenig zum Treibhaus Erde bei.
Auch sehr beachtlich sind Felsen in der Nähe, bedeckt mit 1000enden Steingravuren, jede 10 – 15.000 Jahre alt. Als UNESCO – Kulturerbe ist diese fantastische Galerie geschützt. Es gibt auch eine „junge“ römische Inschrift einer Legion, die bis hier an die Küste des Kaspischen Meeres kam. Es ist die östlichste Spur der Römer und sagt, dass bis hier im Jahre 80 AD Soldaten unter der Herrschaft Caesar Maximus Domitian vorstießen. Es ist der 50igste östliche Längengrad.

Dann kommen wir in Baku an. Protzig zeigt die Stadt ihren Reichtum. Hier werden die Milliarden von Petrodollars ausgegeben die ins Land kommen. Ein gewaltiger Bauboom ist die Folge. Würde Geld stinken – man könnte hier kaum atmen. Aber es stinkt leider dort, wo in der unmittelbaren Umgebung seit 100 Jahren das Öl aus der Erde kommt. Unermüdlich laufen die Pumpen, sogar zwischen den heruntergekommenen armen Siedlungen der Menschen die hier wohnen müssen. Nichts davon merkt man in der Stadt.Einzig die Flame Towers, auf deren Fassaden in der Nacht Videoprojektionen mit Flammen laufen, nehmen Bezug.

Und wie geht es weiter?
das entscheidet sich morgen, ob wir das Transitvisum für die Weiterreise um das Kaspische (Russland und Kasachstan) bekommen.
Ansonsten müssen wir uns auf die äußerst komplizierte Verschiffung nach Kasachstan einlassen.
Die Registrierung für Aserbaidschan haben wir jedenfalls sicherheitshalber (auch kompliziert – mit vielen Irrwegen) erledigt. Falls wir doch die 2. Variante wählen müssen.

Also wir werden sehen – ganz liebe Grüße an euch
AuGuL

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Wir sind in Tbilisi (Tiflis) und richten uns am Turtle Lake, einem See über der Stadt mit Waldumgebung ein. Mit der Seilbahn hinunter in die Stadt, Wanderungen am See, Sonnenbaden. Wir haben noch eine Woche bis Aserbaidschan und erkunden die weitere Umgebung. Über Ninotsminda ins Höhlenkloster Varzia, zum einst mondänen Bäderort Borjomi und zurück über Gori nach Tbilisi. Das Wetter erwischt uns eiskalt, in Varzia schneit es sogar und kein Sonnenstrahl wärmt. Die Leuten sagen es ist das typische Karwochenwetter.
In Samtsevisi steht eine mittelalterliche Burg, daneben ein Kirchlein. Es ist heute ein Nonnenkloster und wir überraschen die Frauen während der Messe. Das heisst, die Überraschten sind wir. In der Kirche sehen wir zuerst nur den Pfarrer und seinen Messdiener. Erst als sich die Augen an das Halbdunkel gewöhnten, sahen wir die Nonnen: schwarz, kniend, den Kopf am Boden hören sie die Lesung aus der Bibel. Etwa einen km entfernt steht auf einer Anhöhe eine kleine, sehr alte Kirche. Wir wollen sie uns näher ansehen. Der kurze Weg führt an einem Männerkloster vorbei. Ein junger Mann spricht englisch und sperrt uns die Kirche auf. Sie ist aus dem 7. Jhdt., klein aber sehr schön. Unser Führer weiss, dass an der Burg und der Kirche eine Fernroute der Seidenstraße vorbeiführte. Wir haben einen schönen Blick ins Tal. Dort fließt die Mtkvari, sonst überall Kura genannt, zum Kaspischen Meer. An den Ufern verläuft die Bahnlinie von Baku nach Batumi, schwere lange Züge mit Öl fahren dort hin. Auf der Autobahn daneben nehmen die türkischen LKW den umgekehrten Weg, beladen mit Gemüse aus der Türkei und mit allen Gütern des Westens für das reiche Aserbaidschan.
Zurück in der Hauptstadt erleben wir die Vorbereitungen des Osterfestes. Die Kirchen läuten alle verfügbaren Glocken, die täglichen Messen sind gut besucht. In den Geschäften werden Eier in 2er und 3er Lagen gekauft. Fleisch und lebende Hühner werden selbst am Straßenrand angeboten, ein Händler verkauft lebende Schafe vom LKW herunter. Zucker, Süßes und Kuchen werden überall angeboten. Wer noch einmal Ostern wie in der Kindheit erleben möchte, ist hier richtig.
Unser Tipp für einen Städtetrip: ein paar Tage im kleinen Altstadthotel die vielen Sehenswürdigkeiten genießen. Noch besser verbunden mit einer Georgienrundfahrt, aber frühestens im Mai.
Einziger Wermutstropfen ist die Smogwolke, die über der Stadt hängt oder ist diese dem gewaltigen Eierkonsum zuzurechnen? 🙂

Ein schönes Osterfest daheim
AuGuL

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wieder unterwegs zu sein. Daheim ist alles geregelt, wir können ein halbes Jahr unterwegs bleiben. Vorausgesetzt alles läuft gut.
Die erste Tagesetappe war schon in der steirischen Ramsau zu Ende. Ein Besuch bei unseren Reisefreunden Sigrid und Klaus ist schon allein wegen unserer Erlebnisse ein Griff in die Wühlkiste der Erinnerungen an gemeinsame Reisen. Schön war es bei euch und wir sehen uns wieder im Herbst beim Saharatreffen.

Slowenien, Kroatien und Serbien durchfahren wir zügig auf der gut ausgebauten „Autoput“. Sie hat ihre Gefährlichkeit, die legendär war, verloren. Wir haben diese Straße in den 70igern einige Male unter die Räder unseres VW-Bulli genommen und dabei schon vom griechischen Lebensgefühl geträumt.

Dies Mal drehen wir in Nis ab und durchqueren in W-O Richtung Bulgarien. Ab Varna soll uns ein Schiff nach Batumi bringen. So war das auf der Webseite der Ukr.Fähre . Nur gabs in Varna weder ein Büro noch ein Schiff. Weil es aber den Plan B gab sind wir nach Burgas und dort fündig geworden.
Vom 31.3. bis 3.4. sind wir auf der „Drujba“ bei ruhigem Wetter an die georgische Küste geschifft. Gemeinsam mit ca. 60 LKW’s . Ausser ihnen noch mit Bernadette und Richard, 2 Radlern aus Frankreich. Sie wollen in 4 Jahren um die Welt. Wir wünschen beim Abschied in Batumi viel Glück. Selbstvertrauen haben die zwei – und unsere Achtung.
Zunächst gehts nach Mtskheta, der alten Hauptstadt und nach Tbilisi, der neuen.
Am Weg liegt noch Gori, eine kleine Stadt westlich von Tiflis. Josip Dschugashwili, auch Stalin genannt wurde hier geboren. Das ist der Stadt für einen Massenmörder ein Museum wert. Stalin Bilder, Stalin Arbeitszimmer, sein Salonwagen, Geschenke von Staatsoberhäuptern, Totenmaske usw. und kein kritisches Wort unserer Museumsführerin. Stalin ist hier der Held im Großen Vaterländischen Krieg, Revolutionär und eiserne Faust Russlands. Kein Wort über seine Säuberungen, seine Umsiedelungspolitik, Arbeitslager und die von ihm verschuldeten Hungersnöte. Geschichtsaufarbeitung auf georgisch. Wir verlassen die Stätte betroffen.

Die nächsten Tage bis zum 17.April werden wir uns noch in Georgien herumtreiben. Ab dann gilt unser Visa für Aserbaidschan. In Baku werden wir uns entscheiden: mit Transitvisa durch Russland nach Kasachstan oder dem Fährschiff von Baku nach Aktau direkt nach Kasachstan.
Liebe Grüße und danke für die vielen Wünsche und die gehaltenen Daumen.AuGuL

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