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Ausflug nach Nagorno Karabach

In Armenien fahren wir nordwärts bis Goris, von wo aus man über die Grenze nach Berg Karabach gelangt. Und auf dieses Gebiet wollen wir einen Blick werfen.
Völkerrechtlich gehört es zu Aserbaidschan. 1991 bis 1994 wurde es in einem blutigen Aufstand der armenischstämmigen Bevölkerung mit Hilfe Armeniens „befreit“. Nun ist es eine eigenständige Republik, die aber nur von Armenien anerkannt wird. Die azerische Minderheit flüchtete nach Aserbaidschan. Die Grenze ist nur eine Waffenstillstandslinie und auf beiden Seiten wird gedroht und von Fall zu Fall auch geschossen.
Bei der Einreise fällt uns auf, dass wir nicht als Fremde, sondern als“friends of Berg Karabach“ begrüsst werden. Das Visum wird in der Hauptstadt Stepanakert in nur 10 Minuten ausgestellt. So schnell geht’s wenn man Freunde gewinnen will.
Fährt man aus Stepanakert hinaus sieht man gleich, wie arm der Staat ist. Die Straßen werden immer schlechter und gibt es Asphalt, so wird er oft von einer Stiftung oder armenischen Privatpersonen aus dem Ausland gesponsert. Das liest man auf großen Tafeln.
Auch andere zweisprachige Tafeln gibt es: „the Halo-Trust „GB“ cleart this minefield“. Krieg kann auch ein Geschäft sein und man macht auch für solche Dienstleistungen Werbung. Am ersten Tag fahren wir zum Kloster Gandzasari, wunderschön auf einem Berg gelegen. Es wird gerade renoviert und nach der Besichtigung übernachten wir vor den Klostermauern.
Am nächsten Tag erfahren, wir was eine wirklich schlechte Straße(noch kein Sponsor ) ist. Wir lieben auch staubige Pisten, es kann auch Wellblech sein. Die Straße hier wird zwar in der Karte als „Highway“ bezeichnet, ist aber tatsächlich eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern, mit einigen Abschnitten mit Bachsteingeröll. Irgendwann frage ich Anneliese: wann hast du eigentlich das letzte Schild der „Halo-Trust“ gesehen, dass entmint wurde?Auf dieser Strecke noch nicht! Fehlt noch, dass einer kommt und sagt „its not safe here“. Später begegnen wir einigen LKW’s . Eine Stromleitung wird gebaut. Beruhigend!
Am Abend stehen wir bei Sonnenuntergang auf einer Bergspitze mit altem Kirchlein und lassen uns Spaghetti und Bier schmecken. Nach 150 km Bachbett bin ich total geschlaucht und schlafe beinahe im Sitzen.
Am Morgen besichtigen wir Tegranakert – eine Stadt aus dem 1. Jhdt.b.C. Es wurde ein Museum eingerichtet für die Funde. Es war eine bedeutende Stadt – und seit dem 3. Jhdt. christlich! Was heisst, dass Nagorno Karabach berechtigt Anspruch auf dieses Land erhebt. Sind doch die Azeris Moslems. Die Ausgrabungen werden von einer italienischen Uni durchgeführt, der Staat selbst hat kein Geld.
Die Weiterfahrt ist nur auf der Straße nach Stepanakert möglich – es gibt ein Manöver als Drohgebärde. Bei der Vorbeifahrt an Stellungen mit Panzern und Geschützen sehen wir, wie das wenige Geld verwendet wird. Am Abend stehen wir im Maulbeerbaum – Anger des Klosters Amaras.
Wenn wir fast immer in oder um Klöster und Kirchen stehen dann deshalb, weil es schöne ruhige Plätze sind. Die Tage sind warm und schwül und Abends kommt meist ein Gewitter. Dabei muss man den Standplatz auf Wiesen und erdiger Zufahrt, vielleicht noch mit Gefälle, sorgfältig wählen um bei Nässe noch wegzukommen. Da ziehen wir einen Schotter- oder Asphaltplatz sicherheitshalber vor.

Am letzten Tag in Berg Karabach besuchen wir Shoushi, die alte Hauptstadt. Bis 1920 lebten hier 30.000 armenische Christen und 15.000 azerische Moslems friedlich zusammen. Kunst, Handel und Bildung florierten. Hier gab es die erste Mädchen Realschule des Kaukasus. Dann kam die Armee Aserbaidschans und richtete ein Massaker unter der christlichen Bevölkerung an. Das letzte Jahrhundert lief tatsächlich schlecht für die Armenier. 1915 der Genozid der Türken, 1920 der Überfall Aserbaidschans, 1941 -1945 „durften“ sie für die Sowjetunion vaterländisch bluten und 1991 – 1994 folgte der Kampf um ein eigenständiges Berg Karabach.
Hoffentlich schaut die Zukunft friedlicher aus.
Eine Schrecksekunde gab es heute auch für uns : Leon trieb sich schon längere Zeit im hohen Gras herum um irgendetwas aufzustöbern. Was ihm auch gelang! Plötzlich ein paar Sprünge, er schnappt zu, schüttelt eine Schlange wild mit dem Maul und beisst sie durch! Wir haben eine Gänsehaut, er aber ist stolzer Sieger.

Im nächsten Abschnitt unserer Reise durchqueren wir Armenien und Georgien bis zum Schwarzen Meer, wo wir versuchen werden, eine Fähre nach Constanza, Varna oder Odessa zu bekommen.

Ganz liebe Grüße
Anneliese, Günther samt Leon
Vahanavank

Wäscheleinen

kurzvor

Nagorno Karabakh

Wahrzeichen

er verkauft uns Kerzen

2 Hirten

Gaskanone

Werbung wirkt und stimmt hoffentlich

Erinnerung

Gandzasari

Detail

Innenansicht

Panzer

Zerstörung

Dadivank

hl. Stephan

Säulen

Steinmetzkunst

Landhaus

Aussicht

stimmt

Sponsoring

Gewitterstimmung

Amaras

Posing

Chef

Küche

mit Chef

Maulbeerbäume

Shoushi

Relikt

schauen

Schnorhakaluthjün

Abschied

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