Archive for Mai 2015

Ausflug nach Nagorno Karabach

In Armenien fahren wir nordwärts bis Goris, von wo aus man über die Grenze nach Berg Karabach gelangt. Und auf dieses Gebiet wollen wir einen Blick werfen.
Völkerrechtlich gehört es zu Aserbaidschan. 1991 bis 1994 wurde es in einem blutigen Aufstand der armenischstämmigen Bevölkerung mit Hilfe Armeniens „befreit“. Nun ist es eine eigenständige Republik, die aber nur von Armenien anerkannt wird. Die azerische Minderheit flüchtete nach Aserbaidschan. Die Grenze ist nur eine Waffenstillstandslinie und auf beiden Seiten wird gedroht und von Fall zu Fall auch geschossen.
Bei der Einreise fällt uns auf, dass wir nicht als Fremde, sondern als“friends of Berg Karabach“ begrüsst werden. Das Visum wird in der Hauptstadt Stepanakert in nur 10 Minuten ausgestellt. So schnell geht’s wenn man Freunde gewinnen will.
Fährt man aus Stepanakert hinaus sieht man gleich, wie arm der Staat ist. Die Straßen werden immer schlechter und gibt es Asphalt, so wird er oft von einer Stiftung oder armenischen Privatpersonen aus dem Ausland gesponsert. Das liest man auf großen Tafeln.
Auch andere zweisprachige Tafeln gibt es: „the Halo-Trust „GB“ cleart this minefield“. Krieg kann auch ein Geschäft sein und man macht auch für solche Dienstleistungen Werbung. Am ersten Tag fahren wir zum Kloster Gandzasari, wunderschön auf einem Berg gelegen. Es wird gerade renoviert und nach der Besichtigung übernachten wir vor den Klostermauern.
Am nächsten Tag erfahren, wir was eine wirklich schlechte Straße(noch kein Sponsor ) ist. Wir lieben auch staubige Pisten, es kann auch Wellblech sein. Die Straße hier wird zwar in der Karte als „Highway“ bezeichnet, ist aber tatsächlich eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern, mit einigen Abschnitten mit Bachsteingeröll. Irgendwann frage ich Anneliese: wann hast du eigentlich das letzte Schild der „Halo-Trust“ gesehen, dass entmint wurde?Auf dieser Strecke noch nicht! Fehlt noch, dass einer kommt und sagt „its not safe here“. Später begegnen wir einigen LKW’s . Eine Stromleitung wird gebaut. Beruhigend!
Am Abend stehen wir bei Sonnenuntergang auf einer Bergspitze mit altem Kirchlein und lassen uns Spaghetti und Bier schmecken. Nach 150 km Bachbett bin ich total geschlaucht und schlafe beinahe im Sitzen.
Am Morgen besichtigen wir Tegranakert – eine Stadt aus dem 1. Jhdt.b.C. Es wurde ein Museum eingerichtet für die Funde. Es war eine bedeutende Stadt – und seit dem 3. Jhdt. christlich! Was heisst, dass Nagorno Karabach berechtigt Anspruch auf dieses Land erhebt. Sind doch die Azeris Moslems. Die Ausgrabungen werden von einer italienischen Uni durchgeführt, der Staat selbst hat kein Geld.
Die Weiterfahrt ist nur auf der Straße nach Stepanakert möglich – es gibt ein Manöver als Drohgebärde. Bei der Vorbeifahrt an Stellungen mit Panzern und Geschützen sehen wir, wie das wenige Geld verwendet wird. Am Abend stehen wir im Maulbeerbaum – Anger des Klosters Amaras.
Wenn wir fast immer in oder um Klöster und Kirchen stehen dann deshalb, weil es schöne ruhige Plätze sind. Die Tage sind warm und schwül und Abends kommt meist ein Gewitter. Dabei muss man den Standplatz auf Wiesen und erdiger Zufahrt, vielleicht noch mit Gefälle, sorgfältig wählen um bei Nässe noch wegzukommen. Da ziehen wir einen Schotter- oder Asphaltplatz sicherheitshalber vor.

Am letzten Tag in Berg Karabach besuchen wir Shoushi, die alte Hauptstadt. Bis 1920 lebten hier 30.000 armenische Christen und 15.000 azerische Moslems friedlich zusammen. Kunst, Handel und Bildung florierten. Hier gab es die erste Mädchen Realschule des Kaukasus. Dann kam die Armee Aserbaidschans und richtete ein Massaker unter der christlichen Bevölkerung an. Das letzte Jahrhundert lief tatsächlich schlecht für die Armenier. 1915 der Genozid der Türken, 1920 der Überfall Aserbaidschans, 1941 -1945 „durften“ sie für die Sowjetunion vaterländisch bluten und 1991 – 1994 folgte der Kampf um ein eigenständiges Berg Karabach.
Hoffentlich schaut die Zukunft friedlicher aus.
Eine Schrecksekunde gab es heute auch für uns : Leon trieb sich schon längere Zeit im hohen Gras herum um irgendetwas aufzustöbern. Was ihm auch gelang! Plötzlich ein paar Sprünge, er schnappt zu, schüttelt eine Schlange wild mit dem Maul und beisst sie durch! Wir haben eine Gänsehaut, er aber ist stolzer Sieger.

Im nächsten Abschnitt unserer Reise durchqueren wir Armenien und Georgien bis zum Schwarzen Meer, wo wir versuchen werden, eine Fähre nach Constanza, Varna oder Odessa zu bekommen.

Ganz liebe Grüße
Anneliese, Günther samt Leon
Vahanavank

Wäscheleinen

kurzvor

Nagorno Karabakh

Wahrzeichen

er verkauft uns Kerzen

2 Hirten

Gaskanone

Werbung wirkt und stimmt hoffentlich

Erinnerung

Gandzasari

Detail

Innenansicht

Panzer

Zerstörung

Dadivank

hl. Stephan

Säulen

Steinmetzkunst

Landhaus

Aussicht

stimmt

Sponsoring

Gewitterstimmung

Amaras

Posing

Chef

Küche

mit Chef

Maulbeerbäume

Shoushi

Relikt

schauen

Schnorhakaluthjün

Abschied

Read Full Post »

myst. Garten in der Wüste

Gesichtsmaske

Prinz

verhüllt

frei

arbige Berge

Rayen

Messer

auf dem Weg nach Bam

30.000 Tote beim Erdbeben von 2003

Wüste Lut

Genuß

Pistazienbaum

Lehmburg

Waschtag

Dattelmus

Zarathustra

Leon

Perser

Persepolis

Persepolis 1

so klein und schon...

Hafis

Schah

Nasir

Shiraz

Nachtplatz Nr.?

etwas zu weit

zum pers. Golf

Stranddünen

Badespaß

es gibt wieder Brot

Golf

Nomadenfriedhof

Stufenpyramide

40°

Weber

Hauspatschen

Gewürze

fein warm

Bisotun

Apple

Medicus

Basar in Hamadan

Mahlzeit

Picknick

gut wars

eine Vielzahl

Alamut

Was

Kasp.Meer

am Teufelsberg -Sheitan Kuh

Reisfelder

Reisbäuerinnen

2370 HM

NP

im Norden Irans

Ardabil

Kramer

Basar i.Ardabil

Berg Sabalan

Ri Armenien

St. Stephanos

letzter Freitag

ohne KopftuchIranreise Teil 2

In Shiraz müssen wir zur Fremdenpolizei, die Visa laufen ab. Am nächsten Tag können wir die Pässe wieder abholen. Die Frauen brauchen ein Foto mit Kopftuch ohne sichtbare Haare. Inzwischen können wir uns die Stadt anschauen. Isfahan oder Shiraz – welche ist schöner? Das hängt ab wen man fragt, einen Isfahani oder Shirazi. Für uns sind beide ein orientalisches Märchen. Wir besuchen auch das Grab des iranischen Dichters Hafez, der im 14. Jhdt. lebte. Für uns ein Bruder im Geiste Francois Villon. Ein Spötter und Querdenker.

Die Polizei ist sehr höflich und freundlich. Der Amtsschimmel wiehert zwar aber alles im Rahmen.
Auf dem Weg zum Golf bei Bushehr gibt es einen Zwischenfall. Ein Bauer besucht unseren Nachtplatz in einem Seitental. Er meldet es einem Revolutionswächter der mit ihm zurückkommt. Mit der langen Flinte will er uns einschüchtern, fordert uns auf zu fahren. Da es schon dunkel wird weigern wir uns. Worauf er wieder mit einer Polizeistreife und weiteren 2 Bewaffneten zurückkommt. Die 2 Beamten meinen, hier sei es „not safe“, eine Meinung die wie oft hören. Wir verhandeln, ein Polizist ruft seinen Bruder an, der englisch versteht. Ich sage ihm, wir haben 2 Hunde mit, haben in Iran schon 30x übernachtet und meinen, der Iran ist „safe“. Zu guter Letzt gibt die Polizei den Widerstand auf und wir bekommen ihr ok. Worauf eine hitzige Debatte zwischen Polizei und Pasdarankämpfern ausbricht. Wir haben gewonnen, die Sittenwächter haben sich einen noch längeren Bart geholt. Auch diese Nacht war ruhig und sicher.

Die Fahrt durch das Zagrosgebirge zum Golf ist atemberaubend schön. In Delvaz erreichen wir das Meer und etwas südlich finden wir einen schönen Platz am Strand. Die Temperatur klettert auf ca. 35° und es ist sehr schwül, in der Nacht kühlt es kaum ab. Unseren Halleinern ist es zu heiß. Statt einen Rasttag einzulegen flüchten sie Richtung Norden. Wir bleiben allein zurück im Schatten von 2 Bäumen, abends backen wir Brot am Lagerfeuer. Vollkorn statt geschmacklosem Weißbrotstangen. Auch das Einschlafen bei diesen Temperaturen gelingt uns, die offenen Fenster fangen die kleinste Brise ein.
Es besuchen uns eine Menge Leute und wir beantworten geduldig die immer wieder gestellten Fragen. Doch bei Mohammad horchen wir auf. Er erzählt uns er sei Lehrer, fährt auch auf dem Fischerboot aufs Meer und ist Fotograf. Er ist Hobbymusiker und Klassik/Jazz-Fan und Cineast. Er kennt den Gewinner des Goldenen Bären von Berlin, Jafar Panahi persönlich. Er kann alle Regisseure von Fritz Lang bis Spielberg hersagen, kennt auch „Michael Heinecken“ . Haneke korrigiere ich ihn. Er freut sich über 2 DVD’s die wir ihm schenken können. Die Iranischen Verhältnisse kritisiert auch er. Er ist bei der „Green wave“ , einer außerparlamentarischen Opposition. Das Zeichen ist ein grünes Armband, natürlich verboten.

Noch etwas soll erzählt werden. Bei Bishapur gerät Wolfgang mit dem Toyota in einen Wassertümpel und spielt Schifflein versenken. Ohne Hilfe trotz Allrad und Sperre ist kein Herauskommen. Zum Glück hat er sein „Haschikenseil“ mit und diesmal führt kein Weg an unserem Floh vorbei. Nach einer Schreckminute steht Wolfgang wieder auf festem Grund. Ford sei Dank!

Wir fahren die Golfküste nach Norden, schauen uns Shustar und die Ziggurat von Choga Zanbil an. In Edessa in der heutigen Türkei (Sunliurfa) gerieten 70 000 römische Soldaten samt Kaiser Valerian in persische Gefangenschaft. Sie mussten einen gewaltigen Damm in Shustar bauen, auch eine ganze Stadt dazu. Die Ziggurat ist eine 3000 Jahre alte Stufenpyramide wie der babylonische Turm, nur besser erhalten. Wir sind in der mesopotamischen Tiefebene wo Euphrat und Tigris bei Basra sich zum Shatt al Arab vereinen.
In Kermanshah warten die Halleiner schon auf uns neben der Felswand von Bisotun. Diese hat der große Darius für Propagandazwecke bearbeiten lassen. In einem Felsrelief wird berichtet, wie er die „Lügenkönige“ die ihn um seinen Thron bringen wollten, besiegte. Die Königsstraße von Mesopotamien ins persische Hochland führte hier vorbei und jeder konnte diese „Wandzeitung“ lesen und zwar in Elamisch, Neubabylonisch und Altpersisch. Mit Hilfe dieser Schriften konnte die Keilschrift entziffert werden.
Vor der Weiterfahrt lassen wir den 100er- Nagel aus dem Reifen operieren, der schon eine zeitlang nervt und Schuld am schleichenden Luftverlust ist.
In Hamadan trennen wir uns von Maria und Wolfgang. Sie fahren schon früher wie geplant über Orumiyeh zurück in die Türkei und heimwärts. Am letzten gemeinsamen Abend köpfen wir die letzte Weinflasche und jeder gibt seine wichtigsten Eindrücke an: Wolfgang ist begeistert von so viel Kultur und den tollen Landschaften. Die Freundlichkeit der Menschen ist umwerfend. Er findet den Iran besser entwickelt als er dachte. Maria findet, der Iran ist auf gutem Weg, den Menschen geht es besser, Veränderungen sind spürbar. Anneliese kritisiert, dass der Reichtum des Landes unten nicht ankommt. Auch die Unfreiheit und Bevormundung der Menschen, besonders von Frauen und Jugendlichen ist groß. Trotzdem findet man überall fröhliche, freundliche Leute. Ich selbst denke, dass die Unfreiheit nicht als solche empfunden wird. Einschränkende Gesetze werden umgangen und die Mehrheit hat freie Bürgerrechte nie kennenlernen dürfen. Und die Hoffnung, dass es besser wird stirbt zuletzt.
Wir werden die nächsten 10 Tage im Nordiran um das Kaspische Meer verbringen und dann nach Armenien ausreisen.
Nun sind wir schon 1 1/2 Monate im Iran unterwegs. Jeder Tag ist angefüllt mit Eindrücken und Abenteuern.
Da das Land so groß ist und auch gebirgig gibt es klimatisch große Unterschiede. Der Norden ist im Mai noch grün, die Nächte kühl, die Getreideernte steht noch bevor.Der Süden brütet schon seit April bei hohen Temperaturen um die 40 – 45°.
Organisieren von benötigten Dingen nimmt oft viel Zeit und Geduld in Anspruch. Für den Einkauf von Gemüse, Obst, Brot und Lebensmittel besucht man mehrere Geschäfte. Nie hat jemand alles. Natürlich gibt es weder Bier noch Wein. Restaurants zu finden ist extrem schwer, Cafe`s oder Teehäuser gibt es praktisch gar nicht. Die Regierung glaubt es seien konspirative Orte und Ahmadinechad ließ die meisten schließen. Einen Ort mit W-lan zu finden ist so nervig, dass wir schon längst aufgegeben haben. Auch ist das Netz zum Gotterbarmen langsam. Viele Leute fragen uns ob wir Facebook benutzen. „Ist ja bei euch wie WordPress gesperrt“ sagen wir. Doch das ist kein Problem für Iraner. Jeder kennt jemanden der den Filter umgehen kann. Ist streng verboten, aber jeder macht es. Das gleiche gilt für den Alkohol. Man geht ins Gefängnis oder wird geschlagen, doch alle haben welchen im Haus. Wenn wir „alle“ schreiben so gilt das für eine gebildete Schicht in den Städten. Nur mit solchen können wir uns auf englisch austauschen. Dabei ist uns klar, dass es eine Mehrheit gibt, die den Iran so wie er ist akzeptieren. Kein Wunder bei den einseitigen Informationen. Die Deutsche Welle in Farsi oder BBC werden gestört, ausländisches TV ebenso.
Eine Polizeikontrolle vor Qatsvin durch 2 junge Beamte: bitte Passport, Zulassung, Führerschein. Ich darf unsere Auto mit dem „B“-Schein gar nicht fahren, erklären sie. Das mag für Iraner gelten, doch ich bin Österreicher und darf das, kontere ich. Darauf wollen sie ins Auto. Ok, sagen wir, doch Schuhe ausziehen. Er glaubt wir scherzen. Daraufhin durchsucht er in Socken jedes Kästchen. Er schnuppert am Essig, öffnet die Wasserflasche und riecht, (könnte ja Wodka sein) findet eine Dose Bier, leider O%iges . Zum Schluss findet er einen Flachmann mit Whiskey. „Christ?“ Weil wir in diesem Fall sofort welche werden, dürfen wir ihn behalten, Zum Schluss sagen sie sorry und ziehen ab. Wofür, ausser ihre Neugierde zu befriedigen, war das jetzt gut?
Über Qatsvin geht’s zum Evan See und zur Assasinenfestung von Alamut. Am See sind wir Teil eines riesigen Picknicks unter hunderten Ausflüglern, die alle 3 hintereinander liegende Feiertage genießen. Wir werden zum Essen eingeladen, bekommen Geschenke und müssen als europäische Exoten viele Fragen beantworten.
Es ist Zeit unsere Schmutzwäsche zu waschen. Weil ich fleissig mithelfe, kichern alle. Ich habe „Frauenangst“. Darunter leiden Männer, die im Haushalt helfen, erklärt man uns lachend.
Am Abend brennen viele Feuer, es wird getanzt und gesungen. Auch am Morgen brennen überall Feuer um sich und das Frühstück zu wärmen.
Die letzte Woche im Iran nutzen wir um zum Kaspischen Meer zu fahren. Das Klima ist angenehm und feuchter. Tee und Reis wird hier angebaut. Es ist der größte See der Welt und sein Salzgehalt ist halb so hoch wie jener der Meere.
Weiter nordwestlich liegt Ardabil, eine ruhige Provinzhauptstadt. Die Begräbnisstätte des Safaviden – Stammvaters Sheikh Safi ist Weltkulturerbe.
Vorbei am dritthöchsten Berg Irans, dem Savalan – Vulkan, 4811 Meter hoch, fahren wir durch eine wilde Gebirgslandschaft nach Jolfa und zum Stephanous-Kloster. Es liegt am Aras, dem Grenzfluss zur Aserbaidschanischen Enklave Nakhichevan . Da wir am Freitag, dem iranischen Wochenende dort sind, mischen wir uns unter viele Familien, alle auf Teppichen, daneben der Grill mit den Kebabs und natürlich der Samowar für den Tee. Es bleibt nicht aus, dass wir von überall zum Essen und Trinken eingeladen werden. Für den ganzen Iran ist ein Wochenende ohne Picknick undenkbar und weil für das leibliche Wohl in großen Umfang gesorgt wird, könnte sich jeder Reisende ohne einen Cent auszugeben satt essen und aufgrund der vielen Einladungen nach Hause auch meist dort wohnen. Die Gastfreundschaft ist ein hohes Gut im Iran.
Warum wir auf einem Picknickplatz übernachten hat natürlich einen Grund:
gerne suchen wir einen Schlafplatz, der ruhig und ungestört in freier Landschaft liegt. Nicht selten haben wir ein ganzes Seitental für uns alleine. Anneliese kann dann ihr Kopftuch und das lange Kleid ablegen. Außer dem Hirten mit seiner Schafherde oder einem Bauern auf dem Moped stört uns niemand mehr. Im Grenzgebiet zu Aserbaidschan ist es anders, wie wir bald merken. Vor Jolfa finden wir unseren Platz in einem unbesiedelten Flusstal. Der Bauer bedeutet mir, dass man hier nicht bleiben darf. Man werde uns verhaften. Wir bleiben trotzdem. In der Dämmerung kommt ein Pickup, bleibt etwa 30 Meter entfernt stehen. Militär oder Polizei? Sie stellen sich nicht vor, schreien herüber: come und Passport. Ich gehe die Hälfte der Strecke und sage meinerseits“come!“ Die haben genauso weit und jedem zeige ich nicht die Papiere! Weil sie Angst vor Leon haben, steigen sie nicht aus sondern hauen wieder ab. Ca 1 Std. später, es ist stockdunkel, kommt der Pickup wieder zurück. Diesmal springen 4 Mann mit MP’s heraus. Einer kann englisch. Jetzt ist Schluss mit Lustig! Passport aber flott; und zusammenpacken und mitkommen zur Kaserne. Dort angekommen warten wir, vom Soldaten bewacht, dass die Papiere geprüft werden. Der Dolmetscher ist sehr höflich, entschuldigt sich für die Umstände und stellt seine Fragen. Ich warte bis man uns streng sagt, dass unsere Visa abgelaufen sind. War noch bei jeder Kontrolle so. Genussvoll blättere ich im Pass um und zeige die Verlängerung, die wir in Shiraz machten. Nun ist alles gut. Bleibt noch das Problem: wo schlafen? Im Ort auf der Hauptstraße neben dem Park mit Spielplatz, werden wir hingeführt. Seufzend ergeben wir uns in unsere Schicksal und schlafen unter einer Straßenlaterne mit Kindergeschrei bis 1 Uhr nachts. Die nächste Nacht verbringen wir deshalb freiwillig auf den oben beschriebenen Picknickplatz. Das Grenzgebiet ist zu gut bewacht.
Am Samstag 23.5. geht die Strecke entlang der Grenze zum Übergang Nurduz nach Armenien und wir beenden einen wunderschönen, aber auch anstrengenden Aufenthalt im Iran. Mit Glück haben wir den Verkehr ohne Schrammen überstanden, unser Ford hat auch kein Problem gemacht ( hätte er auch nicht dürfen – er war der einzige im ganzen Iran)!

Unser Reiseaufenthalt im Iran dauerte v. 5.4. – 23.5.2015

Grund für unser Nichtmelden: unsere Webseite war im Iran gesperrt! Und hier in Armenien ist es eine wahre Freude, mit dem schnellen Internet zu arbeiten!

Ganz ganz liebe Grüße an daheim!

Anneliese und Günther samt Leon

Read Full Post »

Am Ostersonntag fahren wir beim Ararat vorbei zur Grenze. Der Übertritt ist eine Gedulds- und Nervenprobe. 6 Stunden dauert die Prozedur und es ist lange nicht klar ob wir zwischen dem türk. Schlagbaum und dem iran. übernachten müssen. Die 4 spurige Kolonne muss durch ein Tor von 4 m Breite und daher wird um jeden cm gekämpft. Es herrscht fast das Faustrecht. Zudem versuchen immer wieder verschiedene Leute uns auf ein Abstellgleis zu lotsen. Irgendwann durchschauen wir die Taktik und kämpfen genauso gnadenlos wie sie. Wolfgang fährt dabei einem Iraner das Rücklicht zu schanden, was diesem aber nicht sehr aufregt. Er hat ja den Zweikampf um den Platz trotzdem gewonnen. Auf der Iranischen Seite werden wir bevorzugt behandelt und von verschiedenen Beamten durchgeschleust, sodass wir auf dieser Seite nur 1 Stunde benötigten, aber es ist halt schon dunkel geworden. Und in ein neues Land im Dunkeln einzureisen ist immer aufregend, da es schwierig ist, einen Schlafplatz zu finden.
So aggressiv die Iraner im Auto agieren so freundlich werden wir aufgenommen. Wir bleiben im nächsten Ort stehen. In einem Hof steht schon ein Fernlaster. – Wir befinden uns praktisch auf Privatgrund!
Eine Familie versorgt uns sogleich mit einem Wasserkanister und am nächsten Morgen gibt es Brot und Konfekt. Auch in den folgenden Tagen fragen uns viele Menschen warum wir kommen, ob wir den Iran schön finden und sind stolz auf ihr Land und die Kultur. Wir hören immer wieder „welcome in Iran“ . Wenn wir mit dem Auto nicht mehr weiter wissen, dann kommt es oft vor, dass ein Iraner mit eingeschalteter Warnblinkanlage uns vorfährt.

Über das Thaddäus Kloster einem armenischen Erbe geht’s zum Orumiyeh Salzsee und nach Täbriz.
Der Basar ist einer der größten im Iran und besonders für die Teppiche aus Täbriz berühmt.
Mit Hilfe der Menschen finden wir alle Sehenswürdigkeiten. Meist werden wir gleich dorthin geführt. Nur die berühmten „Täbriziner“ Würstl können wir nirgends entdecken. Also doch wieder lieber Lammspieß auf Reis oder Hühnchen. (Übrigens ist der Speisesaal mit Vorhängen getrennt, dahinter können Frauen ungestört essen).

Das Kreuz mit dem Geld im Iran ist einerseits die Währung selbst. Es gibt den Rial, bei dem 100 000,– ca € 3,- entsprechen . Im Geschäft lässt man oft bei der Preisauszeichnung 3 Nullen weg. Zum Real gibt es noch den Thoman. Ein Thoman sind 10 Real. Und 1000 Thoman ein Khomeni = 10.000.– Real (0,30€). Wenn man wissen will wie teuer etwas ist, muss man aufpassen, dass der Verkäufer von der richtigen Einheit spricht.
Diesel ist nur mit einer Karte zu bekommen, die wir nicht haben. Getankt wird mit einer Dieselkarte vom Tankwart oder einem anderen LKW Fahrer. Für uns kostet der Sprit 15 Cent, der doppelte Preis als für den iranischen LKW Fahrer. Auch einkaufen ist billig. Brot ist in Stangen und Fladen zu bekommen, Lebensmittel gibt’s bei Kramer.

Wir besuchen das Mausoleum in Soltaniyeh und vorher waren wir beim Takht e Soleyman (N 36°36’55,3″ E 47’11’45,7″), beides Weltkulturerbestätten.
Der Norden des Landes ist gebirgig und meist bewegen wir uns über der 1000 Höhenmetermarke. Als uns Gewitter und Hagel überfallen steht unser Sinn endgültig auf Wärme und Sonne und wir biegen ab in den Süden.
Qom ist eines der religiösen Zentren. Dort soll der Tschador (zu deutsch Zelt) für Frauen Pflicht sein. Und wirklich, das Stadtbild wird geprägt von schwarzen „Nonnen“ und Mufties.
Nach so viel Zwang geht’s endlich in die Tasht e Kavir zum Salzsee und den Dünenfeldern von Maranjab. Am Fuß einer 100 Meter Düne gibt es einen Ruhetag und traumhaften Sonnenuntergang. Und für die Frauen einen Tag ohne Kopftuch dafür mit Trägerleibchen.

Isfahan liegt als Oasenstadt am Zayande e Rud, der es mit Wasser versorgt. Der Name kommt von Nefs e Jahan und bedeutet „Hälfte der Welt“. Die Safawiden machten es zur prunkvollen Hauptstadt. Zentrum ist der Meydan e Imam, den Shah Abbas I anlegen ließ. Um in herum gruppieren sich der Herrscherpalast, Moscheen und der Basar. Die Straßen sind breit und gesäumt von grünen Platanen und in den vielen Parks mit Bäumen, Rasen und Wasser entspannen sich die Menschen.
Isfahan wäre schlecht beschrieben ohne seine Brücken zu erwähnen. Mehret spannen sich seit 1000 Jahren über den Fluss.
Wir bleiben 3 Tage, beobachten das Leben der Isfahani im Basar, auf den Meydan und am Flussufer.

Richtig Wüste ist rund um Yazd. Es hat als Handelszentrum und Karawanenstützpunkt seit Jahrhunderten Bedeutung. Ca. 400 000 Menschen leben in dieser sehr heißen Stadt in Lehmhäusern, die ein ausgeklügeltes System zur Kühlung mittels Windtürmen besitzen.
Das Wasser kam bis vor wenigen Jahren durch unterirdische Kanäle, den sogenannten Qanaten in die Stadt. Sie sind seit kurzem versiegt. Immer war die Größe der Stadt abhängig von der Wassermenge. Yazd müsste aufgegeben werden, gäbe es nicht eine moderne Pipeline. Im Wassermuseum erfahren wir wie das System der Qanaten funktionierte.
Nach Isfahan ist es schwer über Superlativen der alten persischen Bauwerke zu schreiben. Vielleicht eine Ausnahme: das höchste Eingangsportal Irans in der Freitagsmoschee.
Bis Yazd sind wir keinem Teppichhändler erlegen. Doch in dieser Stadt sind wir schwach geworden und haben uns einen wunderschönen Teppich erfeilscht. Er besteht aus 80% Seide und zeigt Motive der hier ansässigen Religionsgruppe der Zoroastrier. Hier lebt noch eine Minderheit der Anhänger von Zarathustra.

Brot ist nicht die große Stärke der Iraner. Um uns richtigen Brotgenuss zu gönnen backen wir von Zeit zu Zeit unser eigenes Brot am Lagerfeuer im Feuertopf. (das Brot von Uli ist leider schon aufgebraucht)

In Mahan gibt es einen persischen Garten der Weltkulturerbe ist. Der liegt am Fuß eines 4000enders von dem noch Firnfelder leuchten. Von dort kommt der Bach, der den Garten ermöglicht. Wasserfälle Papillons und Rastplätze bilden eine duftende Idylle. Der Kontrast zur umliegenden trockenen baumlosen Landschaft könnte nicht größer sein.
3 Religionslehrer aus der Provinz Belutschistan bieten uns Tee an und wir führen eine Diskussion über den Iran und sein politisches System. Ich sage ihnen, dass Religion und Politik bei uns getrennt sind und sie erklären die Herrschaft der schiitischen Ayatollahs als die beste Regierungsform. Einig sind wir uns nur, dass der Tee den wir trinken Spitze ist.
Nicht alle Iraner teilen diese Ansicht! Viele Bürger mit höherer Bildung lehnen diese Regierung total ab und hoffen auf eine Liberalisierung mit Freiheiten.

Kerman ist Ausgangspunkt für Reisen in die Dasht-e Lut. Die wollen wir unbedingt sehen. Dünen und sogenannte Kalouts (Berge ähnlich wie Wadi Rum in Jordanien) locken. Über einen Paß mit 2700 M. geht es hinein. Es wird heiß, sehr heiß. Unser Thermometer klettert auf 48 Grad im Schatten! Am Nachmittag drehen wir um und flüchten in die Berge auf 1480 M. Temperatur: kühle 40 Grad um 16h.
Nach einer warmen Nacht stehen wir früh auf und probieren es erneut die Kalouts zu erreichen. Es kommt jedoch Sandsturm auf und wieder drehen wir um. Hitze, Sturm und Sand sind genug. Die Wüste schüttelt uns ab. Ersatz finden wir auf der Fahrt nach Rayen durch eine wunderschöne, farbige Berglandschaft.
Inzwischen haben sich die Anfangsschwierigkeiten gelegt. Die Währung ist vertraut, die Suche nach Diesel und Lebensmittel einfacher. Die Leichtigkeit des Reisens hat sich eingestellt. Fantastische Nachtplätze gibt es im Überfluss und wir fühlen uns wohl wie Fische im Wasser.

Halbzeit im Iran: 1.5.
Der östlichste Punkt der Reise ist die Stadt Bam. 2003 hat ein schweres Beben über 30.000 Menschenleben gekostet. Noch hat sich die Stadt nicht restlos erholt. Das historische alte Bam aus Lehm wird von Restauratoren wieder aufgebaut.
Überall in den Städten und am Land werden wir bestaunt und begrüßt. Unsere Autos mit Wohnraum sind etwas vollkommen Neues für die Leute.
„Ja, wir sind aus Austria, die ganze Strecke hergefahren, wir benötigen nichts, danke für die Melonen, Iran ist schön , wir wollen viel sehen und es gefällt uns“. Die Menschen sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und großzügig. Das Reifenflicken in der Werkstätte kostet nichts, viele Leute beschenken uns mit Gemüse und Obst.
Vielen ist wichtig, dass der Iran schön und sehenswert ist. Aber auch politische Themen werden angesprochen. Ein Architekturstudent kritisiert die Regierung und die Einschränkungen. Er wünscht die Mullahs zum Teufel. Der Reichtum wird ungerecht verteilt, er hat keine Chance auf Arbeit und kann daher keine Familie gründen. Es gibt keinen Alkohol aber Drogen! (aus Afghanistan?) Den Boykott habe sich der Iran selbst eingehandelt. Ich bemerke, dass vielleicht das Agreement mit den USA etwas bewirken könnte. Darauf meint er, die Regierung braucht die Spannungen nach außen um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Der Topf prodelt und noch halten sie den Deckel drauf. Aber wie lange noch?
Die Unfreiheit ist am meisten bei den Jugendlichen zu spüren. Frauen, jung und alt tragen den Tschador und Mantel völlig in schwarz. Mutige rücken das Kopftuch etwas zurück und tragen rosa oder weiße Turnschuhe. Einer ganzen Generation wird die Jugend gestohlen. Das ist unfassbar!Ein Poster in der Stadt ist auch für uns durch Bilder verständlich: ein frommes Mädchen schaut TV. Ausländische Sender verderben es und es beginnt sich zu schminken. Am Ende wird es verstoßen! man sieht kaum SAT-Schüssel, Musik wird im Untergrund gespielt ( wir lernten einen Produzenten kennen), öffentliche Unterhaltung Fehlanzeige. Internet ist so langsam, dass es kaum nutzbar ist, Seiten sind gesperrt. z.B. auch unser WordPress.
Doch Pärchen finden auch Wege Moralvorschriften zu umgehen. In Picknickparks gibt es oft viele kleine Pavillons mit Jalousien zum herablassen. In Isfahan ist die Gondelbahn auf den Aussichtsberg mit kleinen Kabinen sehr beliebt. Weil wir am Parkplatz schlafen sehen wir, dass sie bis gegen Mitternacht stark frequentiert wird.
Über Jiroft, das in einem Kessel liegt und 37° C. uns das Leben beschwerlich machen , drehen wir Richtung Shiraz. Wir müssen nach 30 Tagen unser Visa verlängern. In der Provinz Fars ist Persien am persischten: hier liegt der Pasergade mit dem Kyrosgrab, die Felsengräber des Darius und Xerxes und Persepolis, das repräsentative Zentrum der Achämeniden. Wir staunen über den Glanz der trotz der Zerstörung such Alexander d. Gr. 330 bC. noch geblieben ist.
Doch auch die aride Landschaft mit Bergen, höher als 4000 Meter sind atemberaubend. Und wir leben mittendrin! Bei so viel Natur ist die Schlafplatzsuche leicht. Manchmal stehen wir unter einem schattenspendenden Pistazienbaum, der die Hitze erträglich macht.
Dem Leon geht’s dabei auch prächtig. Erstens hat er seine Freundlich Vunny unserer Reisefreunde. Außerdem kann er ungezügelt herumstreichen, Vögel und Insekten jagen. Nur ist er nicht mehr weiß, eher sandgelb. Er kann sich ja nicht waschen. Einmal in der Wüste ist sogar ein Wildhase über unser Lagerfeuer gesprungen, ( kein Jägerlatein!) leider hatten wir kein Schmetterlingsnetz zur Hand, sonst hätten wir ihn gleich grillen können.
Ararat

warten

Iran

armen. Kloster

Weihrauch

Salzsee

1

Basar 3

Basar 4

alles bewohnt

Stadtfrauen

Kultstätte

Schwefelbad

Mausoleum

Qwazvin

Freitagsmoschee

wir werden auch oft fotografiert

unverwüstlich

Nachtplatz

Qom

Tschadorcity

Zelte

sehr praktisch

die ersten Wüstenbilder

Dünenwanderung

Plausch

Kashan

schöner Nachtplatz

aus Teheran

Isfahan

Ausschnitt die schönste Moschee der Welt

die halbe Welt

Masdjed e Djameh

unterwegs

Moschee

Yazd

im Basar

Straße

Mode

Read Full Post »