Archive for 28. Mai 2014

Steinreiches – armes Armenien

Es ist unmöglich, alle Kirchen und Klöster zu beschreiben, an denen wir vorbei kommen. Einige sind jedoch geschichtlich oder durch ihre Kunst hervorgehoben. Und bisher war jeder Nachtplatz im oder in nächster Nähe zu einem solchen. Einmal schliefen wir am Friedhof vom verlassenen Norotna Vank ungestört.

Eine Besonderheit Armeniens sind die Chatsch‘ khare – Kreuzsteine. Die ältesten sind 1500 Jahre alt und noch heute werden neue gefertigt. Sie werden aus meterhohen Steinen geschlagen und unglaublich fein bearbeitet.
Sie stehen an alten Wegen, auf Weiden und bei Quellen, vielleicht dienten sie auch als Abschreckung andersgläubiger Feinde. Es gibt tausende davon und jeder ist so unterschiedlich wie die Hände der alten Meister die sie schlugen.

Armenien ist arm. Die Jugend findet wenig Arbeitsmöglichkeit, die alten Sowjetstrukturen sind fast alle zerfallen. Es gibt mehr Industrieruinen um die Städte und verfallen Kolchosen am Land als funktionierende.

Was die Menschen zum Leben brauchen produzieren sie am Land meist selbst. Jede Familie besitzt einen großen gepflegten Gemüsegarten. Die Frauen sieht man den ganzen Tag setzen, jäten und ernten. Die Männer gehen von früh bis spät mit den Kühen und Schafen. Weil wir oft auf ihren Weiden stehen schenken sie uns Käse, Joghurt und Lavasch (Brot). Sehen wir Frauen beim Sammeln erkundigt sich Anneliese oft, was es ist.
Kräuter, Pilze und Wildpflanzen sind in den Schürzen. Sie bekommt Kostproben und Hinweise zur Verwendung (alles mit Zeichensprache und sofort verstehen sich die Frauen). Heute gabs Risotto mit Wiesenpilzen und frischen Kräutern von der Weide. Der Geschmack war sensationell.

Der Sevan-See ist das armenische Meer. Er liegt über 1900 Meter hoch. Sevan ist der Hauptort und hat einen bescheidenen Tourismus. Die Städter aus Yerevan picknicken um den See, zum baden ist er meist zu kalt. Fischer schenken uns Fisch und hätten auch einen Sack lebende Krebse im Angebot.

Am Nachtplatz beim Ufer gesellen sich Maria und Wolfgang aus Hallen zu uns. Zur Freude von Leon haben die beiden Funny dabei, ihre 4jährige Hündin. Auf der großen Weide geht die Post ab bis beide hundemüde sind. Es wird ein gemütlicher Abend bei gutem armenischen Wein aus der 2 lt. Colaflasche, auf der Straße abgefüllt. Reiseerfahrungen werden getauscht. Weil das dem Leon langweilig erscheint, nagt er uns inzwischen ein E-Kabel ab, das ihm gar nicht wichtig vorkommt.

Wolfgang und Maria sind Afrikaveteranen wie wir und gerade einmal im Pensionsalter. Auf ihrem Toyota steht: „Abenteuer gegen Demenz“. Wir trinken darauf, dass diese Medizin wirkt. Am nächsten Morgen nach dem Prosecco im Toyo fahren sie nach Süden über den Selen Pass, wir nach Norden in die Provinz Tavusch und zu den nächsten Klöstern.

Schon am kommenden Tag, Montag früh haben wir wieder Besuch. Am Waldrand kommen entlang der stillgelegten Bahnlinie an der wir stehen eine Sau und 7 Ferkel zu uns. Es leben hier viele Schweine in den Wäldern. Es sind verwilderte Hausschweine, die sich mit Wildschweinen paarten. Nicht nur wir sind überrascht, auch Leon ist aus dem Häuschen.

Wenige km weiter wollen wir uns eine Weinkellerei und Brennerei in Ijevan ansehen. Schaut von außen etwas verkommen aus, es wird aber seit 1951 Wein vergoren und Weinbrand destilliert. Das meiste davon wird nach Russland und Tschechien exportiert. Ganz viel geht nach Amerika. Alleine in Los Angeles leben 1 Mill. Armenier! Mehr als in der Hauptstadt. Alle dort haben Heimweh und trinken „Armenien – Brandy“. Nur nach Europa wird aus dem Stammland des Weines wenig geliefert. Am Geschmack kann es nicht liegen, stellen wir fest.
Außer Wein und Schnaps werden auch Fruchtsaft, eingelegtes Gemüse und Kompott hergestellt. Alles in Handarbeit und fast ohne Maschinen. Frauen füllen Gläser, kleben Etiketten mit einem Haarföhn auf Flaschen und alle 5 – 8 Jahre wird die riesige Menge an Weinflaschen geöffnet und neu verkorkt. Man achtet auf höchste Qualität und Güte.
Dabei kostet die 1/2 Liter Flasche vom 20jährigen Cognac 30.000.– Ram = € 54.–. Die Frauen verdienen zwischen 60.000.– bis 70.000.– Ram im Monat. Sie arbeiten also für den Preis von 1 Liter Cognac 1 Monat lang.

An diesem Tag geht sich noch die Anfahrt zum Kloster Makaravank aus, wunderschön in der Bergeinsamkeit gelegen. Schon ist der Tag fast um und wir suchen und finden einen Nachtplatz mit Aussicht neben einer Margeriten Wiese und einem Kornfeld mit rotem Mohn. Die Grenze zu Aserbaijan ist in Sichtweite.

Liebe Grüße an daheim bis zum nächsten Mal – in ca 2 Tagen werden wir nach Georgien fahren

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