Archive for 30. April 2014

TURABDIN – das bedeutet „der Berg der Knechte Gottes“. Er liegt zwischen den Orten Mardin, Midyat und Nusaybin. Das steinige Hochland besass einst über 80 Klöster und ist bis heute Zentrum der syr.-orthodoxen Türken.
Einige der alten Monasterien werden wieder von Mönchen und Nonnen bewohnt. Aus dem Mor Gabriel, in dem Erzbischof Timotheus residiert, haben wir das letzte Mal berichtet. Am Ostersonntag sind wir noch zu einem weiteren Kloster, Mor Malke, gefahren und haben dort übernachtet. Wir bekamen eine Führung durchs Kloster mit der einzigartigen Kirche, darunter die Krypta mit den Särgen der Heiligen Männer und dem Gründer Mor Malke. Am Montag fahren wir das Sträßchen durch hügeliges Land mit verstreut liegenden Dörfern zum Kloster Mor Yakub. Am Weg dorthin treffen wir auf Männer, die auch zum Kloster wandern. Es sind Deutschtürken auf Osterurlaub. Alle sind in der Gegend geboren und in den 70iger und 80iger Jahren nach Deutschland gegangen. Damals hat der Krieg der Kurden gegen den türkischen Staat seinen Höhepunkt erreicht. Die Menschen in den Dörfern sind zwischen den Parteien zerrieben worden. Die damals 16 – 17jährigen sind weg, um dem Militärdienst zu entkommen. Das Militär war rücksichtslos und hat ganze Ortschaften vernichtet, die PKK hat zurück erobertes Land den Christen wieder zurück gegeben, erzählt ein älterer Herr, den wir samt seiner Büchse bis zum Kloster mitnehmen.
Seit einem halben Jahr, nach umfangreichen Renovierungen wird es wieder von einem Mönch bewohnt. Auf der Terrasse sitzt schon eine große Runde Männer beim Cai. Sie sind alle heute zum Essen eingeladen.
Der junge Mönch, der in einer Woche hier seine Priesterweihe erhält, bewirtet auch uns. Stolz zeigt er uns das im 4.Jhdt. gegründete Kloster, in dem Mönche das Evangelium in aramäischer Schrift abgeschrieben und vervielfältigt haben. Er erklärt uns die Schriften und singt uns Ausschnitte aus den Texten vor, damit wir den Klang des Aramäischen hören.
Wir zünden eine Kerze für unsere verstorbenen Eltern und für meinen Bruder und Schwager an. Er möchte die Namen wissen, damit er sie bei der am Dienstag stattfindenden Messe verlesen kann. Wir sind beeindruckt von dem Mann, der in Damaskus, Istanbul und Oxford Theologie und Semitische Sprachen studierte. Zu seinen 7 Sprachen die er spricht, gehört auch Deutsch.
Die Einladung zum Essen lehnen wir höflich ab und fahren weiter durch eine einsame Berggegend zum Kloster Mor Augen.
Wenn es noch eine Steigerung zum bisher gesehenen gibt, so ist es dieses Kloster. Es klebt am Felsen wie ein Adlerhorst. Es ist das Älteste. Mönche aus Ägypten haben es im 4.Jhdt. gegründet. Bis zu 350 Bewohner zählte es einst. Der Mönch, er lebt alleine hier, erzählt uns von seinen Problemen mit den türk. Behörden und ist sehr pessimistisch wenn es um die Zukunft geht. Wir trinken auch mit ihm den unvermeidlichen Cai und richten uns für die Nacht am Fuß des Klosterberges ein.

Wieder auf der D 400 geht’s Ri. Osten entlang der syrischen und später irakischen Grenze weiter. Bald kommen wir in die hohen Berge des „wilden“ Kurdistan. Durch Schluchten und über Pässe bis zu einer Straßensperre des Militärs. Die stehen hier und haben Stellungen entlang der Straße ab dem Ort Cizre. Nicht wegen uns, auch nicht wegen der irakischen Grenze. Sie demonstrieren hier ihre Macht über die Kurden und deren Dörfer. Als der Leutnant mit dem Back Gammon Spiel fertig ist, dürfen wir weiterfahren aber nicht entlang der Straße nächtigen ( Terrorgefahr!….Schlotter) Wir biegen trotzdem unbemerkt in ein Kurdendörfchen ab und verstecken uns quasi zwischen den Häusern. Bekommen Tee und Pudding geschenkt und werden wie Gäste behandelt. Nur die Kinder sind lästig weil sie immer den Leon tratzen (Sie können mit Hunden einfach nicht anders umgehen).

Am Donnerstag den 24.4. laufen wir in Van ein, nachdem wir zuvor bei der Hosap Kalesi vor dem Burgtor übernachtet haben. 2 Besuche stehen auf dem Programm: für Anneliese ist eine neue Untersuchung fällig und wir nutzen ein sehr modernes Hastanesi. Als wir das Resultat abholen (zum Glück ein günstiges) kostet es keine Lira. Das Gesundheitswesen ist für alle in der Türkei gratis.
Auf den 2. Besuch haben wir uns schon sehr gefreut. Okan, der die Boschvertretung im Ort hat und uns 2010 so sehr geholfen hat den Iveco wieder flott zu kriegen, und seine Frau Mukaddes.
Wir treffen sie, den Vater und den jüngeren Sohn Ekin am Vormittag in einem Restaurant am See. Wir werden zum berühmten Van – Frühstück eingeladen. Der Tisch biegt sich vor Köstlichkeiten und Spezialitäten und wir sitzen und plaudern. Mukaddes, sie ist Englischlehrerin erzählt, dass ihre Wohnung mit samt dem mehrstöckigen Wohnblock 2012 beim Erdbeben einstürzte. Zum großen Glück war die Familie nicht zu Hause. Aber alles ging verloren. Mukaddes zog für 2 Jahre mit den Kindern zu ihren Eltern nach Ankara. Nur Okan blieb in Van. (Deshalb konnten wir sie nicht kontaktieren und die Mails und Briefe blieben unbeantwortet)
Nun richten sie gerade ihre neue Wohnung ein.
Van ist eine moderne Stadt und man glaubt sich fast in Europa. Eine Million Menschen leben hier. Im Stadtzentrum bestehen noch große Areale aus planiertem Bauschutt. Hier standen die stark beschädigten Häuser.
Der Wiederaufbau ist im Gange und viele neue Geschäfts- und Bürohäuser sind schon errichtet.
Im Lokal treffen viele Leute ein ( es ist Samstag). Nicht wenige junge Frauen tragen das Kopftuch. Mukaddes erzählt, dass die Gesellschaft konservativer und fundamentalistischer geworden ist, Sie fürchtet sich vor weiteren Schritten der Islamisierung durch die Regierung. Wie lange kann man noch als moderne Frau in dieser Türkei leben, wo Demonstranten erschossen werden weil sie für die Erhaltung eines Parks sind?
Okan wünscht der Regierung die baldige Abwahl. Zur Aufmunterung bekommt Mukaddes das neue Buch von Elif Shafak, einer regimekritischen türkischen Autorin und Okan ein ital. und span. Roten und 3 CD’s weil er Jazz so gern mag. Wir versprechen uns, dass es ein Wiedersehen geben soll, vielleicht in Kufstein?

Wir fahren weiter Richtung Elazig. Übernachten am Tigris Quellsee und überqueren tags darauf wieder einmal den Euphrat. Beide Flüsse liegen hier nahe beieinander. Erkan, der Deutsche mit den kurdischen Wurzeln hat uns neugierig auf seinen Geburtsort Tunceli gemacht. Er sagte, was das gallische Dorf für die Römer war, das sind die Kurden dort für die Türken. Es leben hier vor allem Aleviten ( d.h. keine Kopftücher) und es herrscht ein sehr liberales Klima.
1936 begann hier ein Aufstand und erst 1949 wurde der Ausnahmezustand beendet. 1980 wiederholte sich das Szenario. Wir sehen über der Stadt und hoch über den Dörfern die Befestigungen des Militärs. Bei vielen Straßensperren werden wir hier besonders oft kontrolliert. Ich frage den Offizier, der bei uns Ausländern geholt wird “ sprechen sie Deutsch?“ Er versteht mich nicht. „Sind Sie der Chef von dem Affenzirkus?“ Er versteht Chef und nickt stolz. „Dann sind sie hier der Oberaffe, nicht wahr?“ Ich deute auf seine Rangabzeichen auf der Schulter. Er freut sich über die erwiesene Aufmerksamkeit. Breit grinsend winkt er uns durch. “ Irgendwann versteht dich einer,“ sagt Anneliese die das Gespräch mit dem Handy aufgenommen hat.
Wir besuchen noch den Munzur Nationalpark,den ältesten NP der Türkei. Steile Felsen links und rechts, der Fluss Munzur und die Straße. Eine wunderschöne Gegend!

Wir wollen uns eigentlich immer kurz halten aber es ist bei so viel Erlebten einfach so schwierig. Schluss für heute! Für danken für euer Durchhaltevermögen und grüßen euch alle
AuG mit Leon
Ostersonntag

Mor Malke

Ostermontag

Teekessel

Noch-Mönch Abo

Mor Yakub

Mor Augen

wir bekommen überall Ostereier geschenkt

Morgenstimmung

Reifen

die Kinder unterhalten uns

Grenzgänger

im Militärsperrbezirk

durchs wilde Kurdistan

Feiertag am 23.4.

Hosep Kale

Van

Frühstück

Wiedersehen nach 4 Jahren in Van

wunderschön

Ekmek

oberhalb von Pertek

morgen ist der 1.Mai

Tunceli

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