Archive for 20. April 2014

Am 15.April früh am Morgen sind wir in Sanli Urfa nahe der syr. Grenze angekommen. Der arabische Einfluss ist deutlich zu spüren. Es gibt einen riesigen überdachten Basar mit Handwerkern und Händlern, der unseren Orientierungssinn fordert. Mittendrin, wie eine Oase liegt der Gümrük – Han, ehemals Karawanserei und heute Teehaus. Männer sitzen im Hof um die Tische, rauchen, plaudern, trinken Cay, spielen eine Art Domino und machen nebenher ihre Geschäfte. Wir könnten Stunden bleiben und nur beobachten.
Abraham, der hier in einer Grotte geboren wurde über der eine Moschee errichtet wurde. Daneben, in einem großen Becken schwimmen unzählige Karpfen. Sie sind heilig und dürfen nur gefüttert, nicht gegessen werden. ( man wird sonst augenblicklich blind).
Melanie und Erkan aus Hagen in Deutschland sprechen uns an als sie merken, dass wir deutsch sprechen. Bei einem Tee auf überdachter Terrasse (es schüttet, blitzt und donnert alttestamentarisch) erzählt Erkan von seinem Geburtsort Tunceli nahe Elazig. Seine Bewohner sind wie er Kurden und verteidigen ihre Stadt und Kultur gegen einen Staat, der bis vor kurzem kein Recht auf eigene Sprache, Sitte, Erziehung und Religion der Kurden anerkannte. Erkans Eltern verließen vor 40 Jahren das Land und gingen nach Deutschland. Erkan fühlt sich als Deutscher, war aber immer interessierter Beobachter der Türkei und deren Politik. Erdogan, der Präsident verspricht den Kurden seit Jahren mehr Freiheiten und Rechte. Seit einem Jahr ist Tauwetter zwischen Regierung und PKK, einer Kurdenpartei. Geld fließt vermehrt in den Osten, kurdisch zu sprechen ist nun erlaubt. Eine Taktik der Regierung? Man möchte in die EU und ein Investitionsklima schaffen. Da stören Unruhen.
Viele Kurden wählen nun sogar Erdogans AKP. Bei einem Cafe in Eski Kahta, erzählt der Wirt warum: zum 1.Mal kommt Geld vom Staat bei den Kurden an. Krankenhaus und Schule sind gratis, es gibt nun Pensionen für die Alten. Unser Einwand, dass die Regierung und Erdogan nachgewiesen korrupt sind, tut er ab und sagt: „Erdogan ist korrupt aber er nimmt nur die Hälfte für sich, die andere Hälfte spendet er an die Armen. Die früheren Regierungen nahmen immer das Ganze für sich“. Auch ein Standpunkt! „Twitter und Internet lässt er abschalten, damit es keine Aufrufe zu Demos mehr gibt, auf denen Menschen sterben.“ – Aha denken wir, sind also die Demonstranten schuld wenn sie durch Polizeikugeln sterben.
In Diyarbakir: wir sitzen in einem netten Han. Mühsam haben wir uns bisher ein paar türkische Brocken angelernt. Nun, in der heimlichen Hauptstadt der Kurden ist kurdisch vorherrschend. Zum Glück ist die Speisekarte 2sprachig und ich bestelle Dew und Av statt Ayran und Su (Joghurtdrink und Wasser) Das Omelett heisst zum Glück auch beim Ober Crepe. Nachdem aber Türkisch die Amtssprache bleibt und wir einen Türken nicht sofort von einem Kurden unterscheiden können, behelfen wir uns weiter mit unseren 10 – 20 Wörtern Türkisch. Dazu gehören auch BAYAN und BAY, die beim Gang zur Toilette zu beachten sind.
Kultur zum Angreifen gab es auch wieder die letzten Tage: 3200 Jahre alte Ausgrabungen in Karatepe Aslantas. Die hethitische Stadt wurde erst 1946 entdeckt. Monumentale Löwen und Phinxen so wie humoristische Szenen auf gut erhaltenen Steinplatten wurden gefunden. Eine zweisprachige Stele in hethitisch und phönizisch erlaubte die Entzifferung der Schrift.
Den Grabhügel des König Antiochos auf dem Nemrut Dagi auf 2150 Meter Höhe und eine mamelukische Burg bei Kahta, sowie eine römische Brücke über den Cendere – Fluss besuchten wir, dabei überquerten wir die beiden Flüsse Euphrat und späterTigris.
Noch ein trauriges Kapitel schreibt dieser Erdogan, und zwar in Hasankeyf : Hasankeyf ist eine Siedlung am Tigris und seit 7000 Jahre bewohnt. Um die Stadt ist viel gestritten worden und sie hat viele Völker ertragen, viele Kulturen haben es bereichert. Aber es ist dieser Staat, der es endgültig und unwiederbringlich zerstört durch ein Megastaudammprojekt. Nach einem Aufschrei in der Welt haben die Deutschen Bau und die Finanzierung abgeblasen und es sah so aus, als würde die Stadt überleben. Aber Geld lässt sich immer finden, wenn Rendite winkt, So wird jetzt wieder mit Hochdruck gebaut. Noch zwei Jahre dann geht dieses Kleinod unter. 3000 Menschen verlieren ihr Zuhause und ihr Einkommen aus dem Tourismus. Wir mögen ihn nicht den Erdogan samt seiner AKP.
Heute sind wir in unserem Zwischenziel dem Turabdin angekommen. Im Mor Gabriel, dem Hauptkloster und Sitz des syr.-orthod. Erzbischofs übernachten wir im Klosterhof. Und heute am Ostersonntag wohnen wir dem Gottesdienst dieser Christen bei, deren Liturgiesprache das aramäisch des Jesus ist. Wir stehen um 5h früh auf, sehen und hören die Zeremonien der Mönche nach 1 1/2 Std. wird uns der Weihrauch einfach zu viel.Wir gehen ins Auto und freuen uns über die Ostereier.
Dass wir zu Ostern hier sind hat sich wunderbar ergeben noch dazu dass in diesem Jahr zugleich das Fest begangen wird.

Schöne Ostergrüße an alle aus einem Kloster in dem die Zeit nahezu still steht.
Wir wurden hier wunderbar aufgenommen und bedanken uns bei allen FreundenBayan

Bay

Löwe

Mutter

Genius

potente Gottheit?

eine schöne Geschichte

Gewürze

in Sanliurfa

es liegt noch Schnee

Nemrut Dagi

Nemrut Dagi 2

Eiertanz

P1050523.OstereierJPG

Sergi

im Hani

bis sie merken dass man Geld nicht essen kann

Hasankeyf

wunderschöne Abendstimmung in Hasankeyf

Waschtag

Mor Ga briel

Ostern

OsterfestJPG und Familie für die netten Ostergrüße
AuG

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